Der Evangelische Mediendienst auf dem Weg zum Content Provider
Zukünftig werden bei Informationsanbietern wie dem Evangelischen Mediendienst (EM) journalistische Allrounder arbeiten, die alle Medien mit direkt verwendbaren Produkten bedienen. Diese Content Manager werden eine multimediale Technik benützen, um Text-, Ton- und Bilddokumente zu bearbeiten, zu speichern und zu übermitteln. Der EM hat einer spezialisierten Firma den Auftrag erteilt, ihn auf dem Weg zum Content Provider zu beraten.
Die Redaktion des Tages-Anzeigers macht Nachrichten für Radio Zürisee, das „Echo der Zeit“ von Radio DRS kann im Internet zu jeder Zeit gelesen und gehört werden, und zu vielen aktuellen Sendungen des ZDF gibt es ein umfangreiches Begleitangebot mit Zusatz- und Hintergrundinformationen bei MSNBC – ebenfalls im Internet. Die drei Beispiele zeigen, in welche Richtung die Medien sich entwickeln. Gestern noch waren Presse, Radio und Fernsehen klar getrennte Systeme. Heute beginnen die Abgrenzungen durchlässig zu werden. Morgen werden die einzelnen Medien tendenziell nur noch unterschiedlich konfigurierte Oberflächen eines umfassenden, integrierten Kommunikationssystems sein.
Content Management heisst der Schlüsselbegriff dieser Medienzukunft. Er besagt mindestens zweierlei. Erstens schiebt er die herkömmlichen Medien in den Hintergrund, indem er einen integrierten Prozess des Umgangs mit Information ins Blickfeld rückt und ein entsprechend verändertes Berufsverständnis von generalistischen Informationsmacherinnen und -machern postuliert. Zweitens besagt das Konzept des Content Management, dass die neuen Techniken mit ihrer Überwindung fast aller Speicher-, Verarbeitungs- und Übertragungsgrenzen dazu führen werden, die Inhalte zum entscheidenden Gut für die Wertschöfpung der Kommunikationsbranche zu machen.
In dieser Informationswirtschaft werden die Kirchen nur dann mithalten können, wenn sie mittels Einrichtungen wie dem EM ihr Kommunikationsangebot systemgerecht aufbereiten können. Die News über Religion und Kirche müssen glaubwürdig und verlässlich sein, aktuell und marktgerecht angeboten werden, und sie sollen die von den Abnehmern verlangten journalistischen und technischen Formate aufweisen. Diese Regeln sind an sich nicht neu, aber sie werden durch die Veränderungen der Medienwelt auf ein höheres Anspruchsniveau gehievt. Den Ruf der Verlässlichkeit muss man in einer von ausgeklügelter PR und verdeckter Werbung überfluteten Kommunikationsumwelt zäh verdienen mit Leistung und Kontinuität. Schnelligkeit und Lückenlosigkeit sind von wachsender Wichtigkeit für die Akzeptanz eines Informationsangebots. Und wer nicht in einer direkt verwendbaren Form liefert, hat wenig Chancen, berücksichtigt zu werden.
Der EM hat bei der Überprüfung seines Radio- und Fernsehbereichs entschieden, zusammen mit externen Beratern eine Projektentwicklung durchzuführen. Dabei wurde rasch deutlich, dass eine Beschränkung der Sicht auf die traditionellen elektronischen Medien Radio und Fernsehen nicht mehr angebracht ist. Zusammen mit Fischer Media, einem Unternehmen für Electronic Publishing in Bern, erarbeitet der EM deshalb ein Konzept für Content Management, das Ansätze zur Integration von Rundfunk, Pressedienst und Internet entwickelt. Der Beratungsprozess dauert bis Februar 2000. Er mündet aus in ein Projekt, mit dem der EM einen wichtigen Schritt tun wird, um seine Aufgaben als landeskirchliches Kommunikationsunternehmen auch in Zukunft erfüllen zu können.
Urs Meier, Gesamtleiter des Evangelischen Mediendienstes
