Der Filmbeauftragte Hans Hodel geht in Pension

18 Jahre im Dienste des Films: Hans Hodel, der Filmbeauftragte und stellvertretende Geschäftsführer der Reformierten Medien, wird auf Ende Juli pensioniert. Nach wie vor ist er ein Liebhaber des Kinos.

Grosse Stapel von Sichtmappen mit vielen Prospekten, Rechnungen und Voranzeigen häufen sich auf dem Arbeitstisch. Systematisch sind sie geordnet. Hans Hodel findet jeden gesuchten Artikel umgehend. Ich erinnere mich noch sehr gut an die gemeinsame Zeit im Filmverleih ZOOM. Da stand ein Schaffer von altem Schrot und Korn vor mir. Als Theologe frisch von der Universität konnte ich mir kaum vorstellen, was die Führung eines Filmverleihs bedeutet. Geduldig führte mich Hans als Partner in die betriebsökonomischen Geheimnisse des Geschäfts ein. Beeindruckend war für mich sein Engagement für die Bildungsmedien, seine Beharrlichkeit und seine Organisationsgabe.

Filmbeauftragter ganz und gar

In der Bezeichnung „Filmbeauftragter“ kristallisiert sich etwas, das auf Hans Hodel zutrifft. Er nahm seinen Auftrag seit 1986 sehr ernst; nicht nur im Filmverleih, den er als Kernstück seiner Arbeit betrachtete und mit verschiedenen Partnern bis 2001 intensiv betreute. Er war stets ein „Berufener“ mit einem deutlich spürbaren Auftrag. Dieser Aspekt drückte sich vor allem auch in der Art und Weise der Beziehungspflege aus. Er verstand sich als Vermittler. Zum Beispiel in der Eidgenössischen Filmkommission, der er von 1989 bis 2002 angehörte. Hier hat er viel für die Förderung der Filmkultur in der Schweiz bewirkt. Er setzte sich ein für die Ausweitung der Förderung auf die Filmpublizistik, die Filmfestivals und filmkulturellen Spielstellen. Ein wichtiger Beziehungspfleger wurde er auch auf internationaler Ebene. Als Jurykoordinator von Interfilm betreute er seit Anfang der neunziger Jahre die ökumenischen Jurys an den grossen Filmfestivals von Berlin, Locarno und Mannheim-Heidelberg. Hier war er mit seinen aussergewöhnlichen organisatorischen Fähigkeiten und mit seinem reformierten Charme am richtigen Ort. Mit den Direktionen der Festivals verhandeln, die Jurys betreuen und sie im Festivalbetrieb einbetten, neue Kontakte knüpfen und fruchtbar machen: Er war Filmbeauftragter ganz und gar. Hans Hodel ist es dadurch auch gelungen neue kirchliche Jurys zu gründen: die Interfilm-Jury an den Nordischen Filmtagen in Lübeck oder die ökumenische Jurys in Karlovy Vary, Cottbus und Bratislava.

Bildung über alles

Hans Hodel hat seine Wurzeln in der pädagogischen Profession. Als Filmbeauftragter knüpfte er an dieser Erfahrung an und brachte den Film unter die Pfarrer oder umgekehrt diese zum Film. Er engagierte sich für die Integration der Bildmedien in die Pfarrerweiterbildung, was ihm beispielsweise in Biel gelang. Er hatte auch die schöne Idee, am Filmfestival Locarno eine Ausbildung für Reformierte anzubieten. Auf der Piazza Grande die theologische Auseinandersetzung mit Filmen suchen: Das war für Hans kein Widerspruch, sondern Teil seiner Kulturanthropologie. Wenn er im Bereich der audiovisuellen Medien produzierte, war dies immer sehr praktisch ausgerichtet. Als Kenner des Lehreralltags und der pädagogischen Bedürfnisse machte sich Hans an die Entwicklung von Fotosprachen. Er war damit so erfolgreich, dass dieses Medium heute zu den Verkaufsrennern im Medienladen gehört.

Liebhaber des Kinos

Über die vielen, arbeitsreichen Phasen der Restrukturierung und Veränderung – die Ablösung von ZOOM Verleih und ZOOM Zeitschrift für Film, der Bürowechsel von Bern nach Zürich – hat sich Hans den Gestus eines Liebhabers bewahrt. Sein Blick auf die Leinwand ist kein kühl-professioneller. Er scheint mir auch heute noch offen für Neues. Als Liebhaber des Kinos wird er auch weiter über Filme schreiben, Filmfestivals „heimsuchen“ und Interfilm organisatorisch unter die Arme greifen.

Charles Martig, Filmbeauftragter Katholischer Mediendienst
charles.martig@kath.ch