Zwischen Himmel und Erde
Andere Philosophen hätten doch auch keinen Tempel gebraucht, kommentiert der Sänger Christoph Homberger das Goetheanum in Dornach, das als Sitz der allgemeinen anthroposophischen Gesellschaft so etwas wie das Zentrum der Anthroposophie darstellt. Homberger ist in einem anthroposophischen Umfeld aufgewachsen und hat eine Waldorfschule besucht. Von den sieben porträtierten Personen äussert er sich als einziger kritisch distanziert.
Der Dokumentarfilm widmet sich heutiger Anthroposophie – von der deutschen Politaktivistin über den biodynamischen Bauern in Rheinau bis zum schweizerischen Eurhythmielehrer in einem ägyptischen Kollektiv. Doch so breit, wie es tönt, ist das Spektrum nicht, viele Interviewaussagen ähneln sich. Hochreflektiert berichten sie vom Streben nach dem richtigen Leben in Einheit mit sich selbst und der Welt. Die gemeinsame Basis ist eine sich auf Rudolf Steiner berufende Weltanschauung. Worte von Steiner werden zuweilen wie Bibelverse zitiert. Von Philosophie ist wenig die Rede, eher wird thematisiert, wie religiös oder gar sektiererisch Anthroposophie verstanden werden kann, die für viele immer noch ein Reizwort ist. Der Film nun führt dokumentarisch an anthroposophische Lebensentwürfe heran, ohne der Versuchung zu erliegen verklärend zu überhöhen oder polemisch zu verzerren.
Christine Stark, Filmbeauftragte Reformierte Medien
christine.stark@ref.ch
„Zwischen Himmel und Erde – Anthroposophie heute“, Schweiz 2009, Regie: Christian Labhart, Dokumentarfilm; Verleih: Look Now!, Internet: http://www.looknow.ch; Filmwebsite: http://www.zwischenhimmelunderde.ch
Kinostart: 4. Februar 2010 (Zürich und Bern ab 11. Februar 2010)
