Zwei Herren im Anzug

Es ist das Jahr 1984, und es ist am Ende des Sommers. Im ausgedienten Tanzsaal eines ehemals traditionsreichen Gasthauses am See haben der Wirt und Bauer Pankraz (Josef Bierbichler) und sein 35-jähriger Sohn Semi (Simon Donatz) gerade die letzten Gäste verabschiedet, die zum Leichenschmaus zu Ehren der verstorbenen Frau und Mutter Theres (Martina Gedeck) erschienen waren. Nun sitzen Vater und Sohn in erzwungener Gemeinschaft beisammen und unterhalten sich über die Vergangenheit: Erster und Zweiter Weltkrieg, alliierte Besatzung, den ersten Traktor, Kalten Krieg, Wirtschaftswunder, Flüchtlinge, Studentenunruhen, die Familie. Alles kommt stockend und sehr persönlich zur Sprache und (für den Zuschauer) ins Bild. Zwei unbekannte, vornehm gekleidete Herren (Johan Simons, Peter Brombacher) werden sie vom späten Nachmittag an bis in die anbrechende Nacht hinein als ungebetene, aber eindringliche Stichwortgeber ihres familiären Erinnerns begleiten. Ein Jahrhundert, eine Familie, drei Generationen werden von Josef Bierbichler in «Zwei Herren im Anzug» (DE 2017) inszeniert