Zeitgenossen. Martin Dannecker, Sexualwissenschaftler
Homosexualität ist eine Krankheit. Das war, vereinfacht gesagt, Stand der Wissenschaft als Martin Dannecker beschloss, Sexualwissenschaftler zu werden. Danneckers Forschung veränderte in den 70ern den Blick auf Homosexualität und Homosexuelle in Deutschland massgeblich. Der gebürtige Schwarzwälder wurde zu einer der zentralen Personen in der Schwulenszene, die infolge der 68er Bewegung für Anerkennung und Rechte Homosexueller kämpfte. Er war Mitbegründer der ersten politischen Schwulengruppe im Nachkriegsdeutschland und veröffentlichte 1974 seine grosse empirische Studie «Der gewöhnliche Homosexuelle». Mit Rosa von Praunheim drehte Dannecker den Kult-Film «Nicht der Homosexuelle ist pervers, sondern die Situation, in der er lebt». Seit seiner Pensionierung lebt Martin Dannecker in Berlin, ist aber nach wie vor gesellschaftspolitisch aktiv und befasst sich wissenschaftlich besonders mit dem Thema Intersexualität
