Zeit des Abschieds
Der Film eröffnet mit seinem unausweichlichen Ende: ein wächserner, zerbrechlicher Leichnam wird in einen Sarg gebettet und zur Kremierung gebracht. Danach setzt die Kamera neun Monate zuvor ein und zeigt diesen Menschen, wie er gezeichnet von Krankheit und Sucht seinem Sterben entgegenlebt – eine Zeit des Abschieds beginnt. Im Zürcher Lighthouse blickt Guiseppe Tommasi im Angesicht des Todes auf sein Leben zurück. Mit heisserer Stimme, mal ernst, mal verspielt erzählt er von seiner unbehausten Kindheit, der gescheiterten Ehe, den Drogen und dem Krebsgeschwür. Sein Wunsch sei es, als Vater zu sterben und nicht als Junkie, sagt er und versucht, sich mit seinen Kindern auszusprechen.
Der iranisch-schweizerische Dokumentarfilmer Mehdi Sahebi begleitet die letzten Monate mit der Handkamera. Ganz unmittelbar, zuweilen rau und ohne technischen Firlefanz sind die Aufnahmen von Tommasi geraten, wie er philosophiert oder schwätzt, weint oder lacht. So begegnet man einem, dem die meisten am Bahnhof oder im Tram lieber aus dem Weg gehen würden. Und gleichzeitig erinnert er mit seinen langen Haaren und dunklen Augen an gängige Jesusbilder. Weil ihm die Kamera eben nicht ausweicht, wird er als Mensch sichtbar, der das Leben liebt, «es kann noch so verschissen sein». Bis zuletzt harrt der Film bei ihm aus, auch im Tod. Das intime Porträt bietet einen wichtigen Beitrag zur Diskussion über Leben und Sterben in Würde.
Christine Stark, Filmbeauftragte Reformierte Medien
christine.stark@ref.ch
«Zeit des Abschieds», Schweiz 2006, Regie: Mehdi Sahebi, Dokumentarfilm mit Guiseppe Tommasi, Verleih: Cineworx, Internet: http://www.cineworx.ch
Kinostart: 1. März 2007
Am 28. Februar wird «Zeit des Abschieds» im Kino LeParis in Zürich Anwesenheit des Regisseurs gezeigt.
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