Young Adult

«Und wie sieht man aus, wenn man nichts fühlt?» Ausgerechnet Mavis die attraktive, erfolgreiche Blondine stellt diese Frage. Und sie muss ausgerechnet Beth fragen, die mit Mavis‘ Exfreund verheiratet ist und gerade ein Baby bekommen hat. Mavis hat sich in einen Nostalgietrip verrannt und ist von Minneapolis in das Kaff ihrer Jugend gefahren, um ihren Ex zurückzuerobern. Weil dieser aber gar nicht zu ihr zurück möchte, sind ihre Anstrengungen peinlich und zutiefst traurig. Einzig Matt, der schon auf der Highschool ein Aussenseiter war, nimmt sich ihrer an.

Die Frage nach dem Glück hat wieder Hochkonjunktur im Kino. Mavis ist das weibliche Pendant zu Brendan, der eindrücklichen Hauptfigur im bald anlaufenden Film «Shame». Geht es dort um Sexsucht inmitten eines Hochglanzlebens, fokussiert «Young Adult» eine Mittdreissigerin, die nicht von ihrer Highschool-Zeit los kommt. Zwar konnte sie ihre Dauernostalgie als Ghostwriterin für eine Jugendbuchserie fruchtbar nutzen, doch die Serie wird eingestellt und Mavis schreibt die letzte Folge. Ja, wie sieht man aus, wenn man nichts fühlt? Charlize Theron brilliert in der Rolle der Mavis, die abgelöscht von ihrem eigenen Leben durch die Welt schlurft. Trauer und Wut kann sie schon gar nicht mehr zeigen, Glück setzt sie wie eine Maske auf, wenn sie sich gut geschminkt und im sexy Outfit in Szene setzt. Ein Film über das Unglücklichsein und die Notwendigkeit, erwachsen zu werden.

Christine Stark, Filmbeauftragte Reformierte Medien
christine.stark@ref.ch

«Young adult», USA 2011, Regie: Jason Reitman, Besetzung: Charlize Theron, Patton Oswald, Elizabeth Reaser, Patrick Wilson; Verleih: Universal Pictures Schweiz, http://www.universalpictures.ch/kino/d, Filmwebsite: http://www.youngadultmovie.com

Kinostart: 16. Februar  2012