x+y

Der schüchterne, autistisch veranlagte Teenager Nathan verfügt über eine hohe mathemati­sche Begabung, die seinen ganzen Alltag prägt: Alles muss geordnet sein und seinen Ablauf haben. Auch engste Angehörige wie seine Mutter dürfen ihn nicht berühren – nicht einmal die Hand geben und schon gar nicht in den Arm nehmen. Dank der Förderung durch einen unkonven­tionellen Lehrer und Mentor darf Nathan an der Qualifikation zur internationalen Mathematik-Olympiade teilnehmen. Dazu muss er die schützende Umgebung der britischen Heimat verlassen und mit einer Gruppe nach Taiwan reisen. Nun gilt es, nicht nur mit Zahlen zu jonglieren, was ihm leicht fällt, sondern sich auch auf Zwischenmenschliches einzulassen – nicht zuletzt auf die Liebe. Dazu passend fragt der Untertitel des Films: «Gibt es eine Formel für die Liebe?»

Mathematik lässt Regisseur Morgan Matthews offenbar nicht los: Für die Dokumentation «Beauti­ful Young Minds» begleitete er eine Gruppe hochbegabter Schüler bei ihrer Teilnahme an einer Mathematik-Olympiade. Davon inspiriert erzählt er nun in seinem Spielfilmdebut «x+y» die fiktive Geschichte von Nathan und kann damit auch auf Ebenen vordringen, die sich dem reinen Dokumentarfilm entziehen. Auf diese Weise ist ein so ernsthafter wie unterhaltsa­mer Film entstanden, der mit ausgezeichneten Schauspielerleistungen glänzt und auch Ein­blick verschafft in die Lebenswelt hochbegabter Teenager.

Thomas Schüpbach, Pfarrer ref. Kirchgemeinde Zürich-Sihlfeld*
pfarramt@sihlfeld.ch

«x+y», Grossbritannien 2014, Regie: Morgan Matthews, Besetzung: Asa Butterfield, Rafe Spall, Sally Hawkins; Verleih: Praesens Film AG, Internet: http://www.praesens.com

Kinostart: 30. April 2015

*Thomas Schüpbach ist Mitglied im reformierten Arbeitskreis Kirche und Film. In loser Folge schreiben Pfarrpersonen und kirchliche Mitarbeitende aus dem Arbeitskreis Filmtipps.