XXY
«Junge oder Mädchen?», wollen alle gleich wissen, wenn ein Kind geboren wird, klagt Alex’ Mutter. Was hat sie gegen die an sich harmlose Frage? Ihr Kind ist beides, es hat weibliche Chromosomen, Eierstöcke und Gebärmutter, äusserlich aber ein männliches Geschlechtsorgan. Adrenogenitales Syndrom heisst diese Laune der Natur, die häufig durch Zwangsoperationen ‹normalisiert› wird. Doch Alex’ Eltern lassen ihr Kind aufwachsen, wie es ist. Nun steckt die (oder der?) 15-Jährige mitten in den Wirren der Pubertät und zieht den Jungen Alvaro, der ebenfalls mit seiner erwachenden Sexualität kämpft, in Bann. Alvaro ist mit seinen Eltern zu Besuch gekommen, sein Vater ist Chirurg und an Alex als ‹Fall› interessiert. Für die Klassenkameraden ist Alex zur monströsen Sensation geworden. Und Alex’ Vater setzt sich zunehmend damit auseinander, dass seine Tochter vielleicht als Sohn leben möchte.
Intersexualität ist ein Modewort im akademischen Genderdiskurs. Mit der Figur von Alex im Erstlingsfilm der Argentinierin Lucía Puenzo erhält sie ein Gesicht – mit meergrünen lebhaften Augen. Die Frage nach der leiblichen Geschlechtsidentität ist hier kein blosses Gedankenspiel, sondern spürbare Lebenswirklichkeit. Die sensible Geschichte umspielt ein paar Tage im Leben von Alex und ihren Eltern an der Küste Uruguays. Ein offener Spielfilm über ein nur wenig bekanntes und oft tabuisiertes Thema.
Christine Stark, Filmbeauftragte Reformierte Medien
christine.stark@ref.ch
«XXY», Argentinen / Spanien / Frankreich 2007, Regie: Lucía Puenzo, Besetzung: Inés Efron, Ricardo Darín, Valeria Bertuccelli, Martín Piroyansky; Verleih: Xenix Filmdistribution, Internet: http://www.xenixfilm.ch, Filmwebsite: http://www.xxy-film.de
Kinostart: 31. Juli 2008
| «XXY» – ein medizinisch problematischer Filmtitel
Die Protagonistin im Film «XXY» wurde mit dem Adrenogenitalen Syndrom (AGS) geboren und nicht, wie der Filmtitel fälschlicherweise suggeriert, mit dem Klinefelter Syndrom. Klinefelter Syndrom (XXY) Adrenogenitales Syndrom (AGS) Diese beiden real existierenden Diagnosen unterscheiden sich also gravierend; der Film «XXY» thematisiert die Intersexualität anhand der Gefühlswelt einer/s Pubertierenden – ohne Rücksicht auf medizinische Begriffsdefinitionen zu nehmen. Weitere Informationen: |
