World Trade Center
Ein weiterer Spielfilm, der die Ereignisse vom 11. September 2001 fürs Kino nacherzählen möchte. Er konzentriert sich auf einen Polizeitrupp, der in das attackierte World Trade Center kommandiert wird, um zu helfen. Kurze Zeit später stürzt das Gebäude zusammen. Zwei der Verschütteten halten sich gegenseitig wach und hoffen auf Rettung, während ihre Familien um sie bangen.
Im ersten Drittel besticht der Film durch seine strikte New Yorker Perspektive. Keine distanzierten Fernsehbilder, sondern Chaos in den Strassen, Rauchwolken statt Aufnahmen vom Anflug des zweiten Flugzeugs, niemand weiss so recht, was gerade passiert. Leider führt das Eintauchen ins Zentrum des Geschehens dazu, dass der Film vorhersehbar und damit langweilig wird. Er bleibt gemeinsam mit seinen beiden Helden stecken und wird zum Rührstück. Die Gegenschnitte zu den Familien bringen kaum anderes als die üblichen Klischees verzweifelter Ehefrauen und hilfloser Angehöriger, wie sie in jedem beliebigen Katastrophenfilm zu sehen sind.
Erst als ein Vietnam-Veteran überdeutlich als Angehöriger einer Pfingstgemeinde eingeführt wird, kommt etwas Bewegung in die Handlung. Er lässt sich von niemandem abhalten, in den Trümmern nach Überlebenden zu suchen. Wenn er am Ende Rache schwört, ist freilich auch seine Figur längst zum Klischee erstarrt. Die hohen Erwartungen an den Film, den immerhin der vielseitige Oliver Stone gedreht hat, werden jedenfalls nicht erfüllt.
Christine Stark, Filmbeauftragte Reformierte Medien
christine.stark@ref.ch
„World Trade Center“, USA 2006, Regie: Oliver Stone, Besetzung: Nicolas Cage, Michael Peña, Maggie Gyllenhaal, Verleih: United International Pictures (Schweiz) GmbH, Internet: http://www.uip.com, Filmwebsite: http://www.WTCMovie.com
Kinostart: 29. September 2006
