Wonderful Town

Das Städtchen Takua Pa im Süden Thailands wirkt auf den ersten Blick wundervoll genug, jedes Urlauberherz höher schlagen zu lassen: Wundervolles Meer, wundervoller Strand und vor allem wundervoll ruhig. Doch etwas stimmt mit dieser Ruhe nicht; sie gleicht eher einer gespenstischen Friedhofsruhe. Es ist gewissermassen die Ruhe nach dem Sturm. Der Tsunami von 2004 hat hier Tausende von Menschenleben gefordert. Nun kommt der junge Architekt Ton aus Bangkok hierher, um ein Wiederaufbauprojekt zu leiten. Er quartiert sich in einem geräumigen, aber schäbigen Hotel ein, das von der zurückhaltenden Na geführt wird. Obwohl sie nur wenige Worte wechseln, kommen die beiden sich allmählich näher.

Der Thailänder Aditya Assarat beweist in seinem Regiedebüt ein Talent dafür, Stimmungen zu schaffen, die gleichzeitig lyrisch wie latent unbehaglich sind. In langen, gemächlichen Einstellungen verharrt er auf verlassenen Ruinen, ausgebleichten Stadtansichten, dem täuschend-harmlosen Plätschern der Meereswellen oder auf undurchdringlichen Gesichtern, hinter denen sich offenbar mehr verbirgt, als man sehen kann. Selbst wenn das dräuende Unheil sich schliesslich in Form einer jugendlichen Motorradgang konkretisiert, bleibt es dem Zuschauer überlassen, sich auszumalen, welche Verheerungen der Tsunami an den Seelen ihrer Bewohner hinterliess, um zu solchen Taten zu führen.

Julia Marx, Filmkritikerin und Filmwissenschaftlerin

„Wonderful Town“, Thailand 2008, Regie: Aditya Assarat, Darsteller: Anchalee Saisoontorn, Supphasit Kansen, Dul Yaambunying; Verleih: Trigon-Film, Internet: http://www.trigon-film.org

Kinostart: 30. Oktober 2008