Wissen. «Götterland» Japan

Viele Japaner nennen ihr Inselreich ein «Götterland». Schliesslich wurde das Land einst von Shintō-Göttern geschaffen und von ihnen stammen auch die japanischen Kaiser ab. So erzählt es die japanische Mythologie. Mit der Kapitulation nach dem Zweiten Weltkrieg aber verlor der Tennō offiziell seine Göttlichkeit. Bis heute hängen viele Japaner dem Shintō-Glauben an. Zugleich praktizieren sie den Buddhismus. Das schliesst sich nicht aus. Ob bei farbenfrohen Shintō-Festen oder strengeren buddhistischen Zeremonien – das religiöse Japan präsentiert sich durchlässig und tolerant. Doch darf man nicht vergessen: Beide Religionen befeuerten einst die Kriegstreiberei des Landes und stärken den Nationalstolz der Japaner bis heute. Mit grosser Selbstverständlichkeit besuchen japanische Politiker etwa den shintōistischen Yasukuni-Schrein, in dem auch verurteilten Kriegsverbrechern gehuldigt wird