Wet Sand

Die Wellen, die den Sand am Ufer des Schwarzen Meeres nässen, bedecken und wieder freigeben, eröffnen und beschliessen den Film. Vielleicht ein Symbol dafür, wie tabuisierte Tiefendimensionen eines gesellschaftlichen Systems aufgrund einer unerwarteten Situation an die Oberfläche kommen.

«Wet Sand», so heisst ein Strand-Café irgendwo an der Küste Georgiens. Hier leben Menschen, die ihre eigenen Regeln definieren – und damit schlimmstenfalls andere, die diesen nicht entsprechen, in den Tod treiben. Amnon, der Besitzer des Cafés, darf nicht zeigen, was in ihm vorgeht. Eliko, der Elegante, von der Dorfgemeinschaft nie Akzeptierte, begeht Suizid. Bewegung in die gefühlskalte und sprachlose Dorfgemeinschaft bringt Moe, die städtisch geprägte Enkelin Elikos. Dem Häuten einer Zwiebel gleich entfaltet der Film, was in diesem Dorf über Jahre und Jahrzehnte im Geheimen ablief. Er thematisiert das Recht auf Liebe und das Recht zu trauern – in Verbindung mit welcher sexuellen Orientierung auch immer.

Die georgisch-schweizerische Regisseurin Elene Naveriani (*1985) hat einen berührenden Film geschaffen, der neben der Charakterisierung der Persönlichkeiten durch beeindruckende Farbkomposition und Ästhetik der Kameraführung (Aufnahmen gerinnen zeitweise fast zu Fotos) überzeugt.

Hermann Kocher, Vizepräsident Interfilm Schweiz

«WET SAND», Schweiz/Georgien 2015; Regie: Elene Naveriani; Verleih: Sister Distribution, Genève, 

Am 4. Dezember am Human Rights Film Festival und ab 13. Januar 2022 im Kino