Welcome to Norway
Nichts was Primus bisher anpackte, war von Erfolg gekrönt. Seine gescheiterten Versuche als Selbstständiger hält ihm seine Frau zwar vor, ihn aber nicht davon ab, auf seinem Grundstück das nächste aberwitzige Projekt in Angriff zu nehmen: Ein Flüchtlingsheim in seinem ziemlich maroden, ehemaligen Hotel einzurichten. Egal, ob die Flüchtlinge nun Türen, Strom, fliessendes Wasser oder Einzelzimmer haben, damit sich die verschiedenen Ethnien nicht gegenseitig an die Gurgel gehen. Hauptsache, es gibt Geld vom Staat. Doch bevor sich Primus davon an den Strand legen kann, muss das Heim sämtlichen Standards entsprechen, damit es von der zuständigen Behörde abgenommen wird. Nicht nur diese funkt ihm jedoch dazwischen, sondern auch die Flüchtlinge, seine Familie und eine äusserst liebesbedürftige Sozialarbeiterin.
Vor der aktuellen Fluchtwelle haftete insbesondere skandinavischen Ländern wie beispielsweise Dänemark ein fremdenfeindliches Image an. Angesichts dieser Problematik und des beängstigenden Rechtsrutsches in immer mehr europäischen Ländern von Ost bis West, hat die Betroffenheitsverweigerung allgemein ausgedient. Trotz ernstem Unterton gelingt es Regisseur und Drehbuchautor Rune Denstad Langlo, mit viel Situationskomik, hervorragenden Schauspielern (mehrheitlich selbst Flüchtlinge) und Leichtigkeit, zu Denkanstössen zu animieren. So erstaunt es nicht, dass der Film sich auf dem vergangenen Zurich Film Festival zum Publikumshit mauserte.
Sarah Stutte, Filmjournalistin
«Welcome to Norway», Norwegen 2016, Regie: Rune Denstad Langlo, Besetzung: Anders Baasmo Christiansen, Olivier Mukuta, Slimane Dazi; Verleih: Filmcoopi, http://www.filmcoopi.ch, Filmwebseite: http://www.welcome-to-norway.de
Kinostart: 15. Dezember 2017
