Wawilow, Lyssenko und Stalin
Das gesamte 20. Jahrhundert hindurch versucht die sowjetische Führung, eine Lösung für das Ernährungsproblem des Volkes zu finden – vergebens. Eigentlich sind die Böden in Russland und der Ukraine seit jeher fruchtbar. Einst wurde das Gebiet die «Kornkammer Europas» genannt. Und doch muss die Bevölkerung immer wieder hungern. Nach der Oktoberrevolution 1917 macht sich die junge Sowjetmacht daran, die Landwirtschaft zu reformieren, um die Erträge zu steigern. Grosse Hoffnungen ruhen dabei auf der Wissenschaft. Unter den Forschern, die dieses Wunder vollbringen sollen, sind der Botaniker Nikolai Wawilow und der Agrarwissenschaftler Trofim Lyssenko. Der Wettstreit zwischen diesen beiden Männern ist ein dramatisches Scheitern. Wawilow, der den Hunger auf der Welt beenden wollte und die weltweit grösste Samenbank in Sankt Petersburg anlegte, wurde Opfer der stalinistischen Säuberungen und verhungerte 1943 im Gefängnis
