Wandlungen – Richard Wilhelm und das I Ging

Regisseurin Bettina Wilhelm hat nicht nur ein philosophisches und ethnografisches Interesse am berühmten «Buch der Wandlungen». Sie ist die Enkelin des Missionars und Sinologen Richard Wilhelm. Von ihm stammt die bedeutendste Übersetzung des I GING in die deutsche Sprache. Es handelt sich um ein Orakelbuch, das gleichzeitig philosophischer Text und Lebensratgeber ist. In China kennen alle dieses Buch. Im Westen wurde es dank Wilhelms Übersetzung und später durch Beat-Generation in den 1960er-Jahren bekannt. Sogar Bob Dylan und die Beatles verwendeten Passagen des Buches. Heute ist es im Westen fester Bestandteil der Esoterik-Kultur. Erkenntnisreich belegt der Dokumentarfilm, dass das I GING im Osten eine vergleichbare kulturelle Bedeutung besitzt wie die Bibel im Westen.

Der Film geht zurück zur Wirkungsstätte des Gelehrten in die Hafenstadt Qingdao. Die Regisseurin folgt den biografischen Stationen ihres Grossvaters und verbindet Aufnahmen aus seiner Zeit als Missionar (1899–1924) mit Bildern aus dem heutigen China. Wilhelm wehrte sich standhaft, Chinesen zu taufen. Er wurde im Gegenteil selber ganz und gar von den grossen Denkschulen der chinesischen Philosophie durchdrungen: Lao-Tse, Tschuang-Tse und Konfuzius. So wurde Wilhelm zum wichtigsten Vermittler zwischen Ost und West. Er beeinflusste auch nachhaltig seinen Freund C. G. Jung, der vom I Ging zutiefst fasziniert war.

Charles Martig, Filmbeauftragter Katholischer Mediendienst
charles.martig@kath.ch

«Wandlungen – Richard Wilhelm und das I Ging», Schweiz 2011, Regie: Bettina Wilhelm, Dokumentarfilm; Verleih: Praesens Film AG, Internet: http://www.praesens.com, Filmwebsite: http://wandlungen-i-ging-der-film.com

Kinostart: 2. Februar 2012