Wadjda
Der Moment, als das Mädchen Wadjda ihren Namen in dem sonst nur Männer berücksichtigenden Stammbaum ihres Vaters ergänzt, ist eine Schlüsselszene des Films. Sie dokumentiert einerseits die Diskriminierung von Frauen und Mädchen in Saudi-Arabien. Andererseits steht sie für den erfrischend-kämpferischen Mut Wadjdas. Die Interfilm-Jury, die den Film 2012 in Venedig ausgezeichnet hat, umschrieb ihren Charakter treffend als «stur, einfallsreich und wundervoll».
Wadjda holt sich mit einer improvisierten Antenne englische Liebeslieder ins Haus und ist fasziniert von westlicher Kleidung, was sich etwa in ihren Converse-Turnschuhen ausdrückt. Eines Tages taucht ein Fahrrad auf dem Dach eines Autos als Inbegriff ihrer Träume auf. Sie setzt alles daran, sich dieses zu beschaffen, um wie die Knaben ihres Alters damit die Welt zu erobern. Die Methoden, die sie anwendet, um zu Geld zu kommen, sind nicht immer ganz legal, finden jedoch das volle Verständnis der Zuschauenden.
Der Film ist nicht nur deshalb sehenswert, weil er der erste von einer Frau in Saudi-Arabien realisierte Film ist. Die Handlung wird beeindruckend geradlinig durchgehalten. Die Rollenbesetzung – vor allem das berührende Tandem von Mutter und Tochter – überzeugt. Filmtechnisch liefert «Wadjda» faszinierende Einstellungen, nicht zuletzt durch die häufigen beige-gelb-bräunlichen Farbtöne, die an den Sand erinnern, der über die Strassen der Vorstadt von Riad geblasen wird.
*Hermann Kocher, Pfarrer in Langnau i.E.
hermann.kocher@gmail.com
«Wadjda», Saudi-Arabien/Deutschland 2012, Regie: Haifaa Al-Mansour, Besetzung: Waad Mohammed, Reem Abdullah; Verleih: Praesens Film AG, http://www.praesens.com
Kinostart: 11. April 2013
*Hermann Kocher ist Mitglied im reformierten Arbeitskreis Kirche und Film. In loser Folge schreiben Pfarrpersonen und kirchliche Mitarbeitende aus dem Arbeitskreis Filmtipps.
Kirchliche Preise am 69. Filmfestival in Venedig (medientipp, 10. Sept. 2012)
