Voyage en Chine

Lilianes trister Alltag wird von einer schrecklichen Nachricht unterbrochen: Ihr Sohn Christophe ist in China verunglückt. Ihr Wunsch, den Toten in die französische Heimat zu überführen, droht an bürokratischen Hürden zu scheitern. Also beschliesst Liliane nach China zu reisen. Dort kann sie sich nur mit Händen und Füssen verständigen und ist zunächst völlig überfordert. Doch Schritt für Schritt taucht sie ein in das Land, in dem sich ihr Sohn zuhause fühlte und von seiner Familie entfremdete.

Mit der Metapher der Reise erzählt «Voyage en Chine» vom Umgang mit dem Tod eines geliebten Menschen. Die Trauer nimmt Liliane die Sprache und raubt ihr die Orientierung. Mit Sprach- und Orientierungslosigkeit ganz anderer Art ist Liliane auch im fernen China konfrontiert. Doch durch die Begegnung mit Christophes Freunden und das Erleben der ihr unbekannten Kultur findet Liliane ausgerechnet in der Fremde wieder Worte und Halt. In Briefen, die sie ihrem verstorbenen Sohn schreibt, kann sie ihrer Reue, ihren Gedanken und Gefühlen nach und nach Ausdruck verleihen.

Der erste Langspielfilm des Fotografen Zoltan Mayer vermag es, mit sparsamen Dialogen und ruhigen Bildern auf empathische Weise von Trauer und Neubeginn zu erzählen. Dass der Film dabei nie pathetisch wirkt, ist auch dem Spiel von Yolande Moreau zu verdanken, die Lilianes Schmerz, aber auch ihre Wandlung, einfühlsam verkörpert.

Laura Lots, Redaktion Medientipp

«Voyage en Chine», Frankreich 2015, Regie: Zoltan Mayer, Besetzung: Yolande Moreau, Qu Jing Jing, Lin Dong Fu; Verleih: Agora Films, Internet: http://www.agorafilms.net

Kinostart: 19. Mai