Von schnellen Schnitten und stehenden Bildern
Die Auswahl an Medien für den Religionsunterricht ist immens. Das zeigte sich am 12.
November am Medientag in Zürich, der von den religionspädagogischen Bibliotheken und dem Medienladen veranstaltet wurde. Neuheiten für den Religionsunterricht aller Schulstufen waren zu entdecken: Filme, Bilderbuchkinos und ein Impuls zur Gewaltprävention.
Am Anfang steht ein fast abgerissenes Ohr: Der 13-jährige Frits ist Opfer einer brutalen Wutattacke seines Lehrers geworden. Zum Glück unterrichtet an derselben Schule in Dänemark im Jahre 1969 auch ein von der Protestbewegung geprägter, junger Musiklehrer. Dank ihm lernt Frits die „I have a dream“-Rede von Martin Luther King kennen. Sie gibt ihm Kraft sich weiter gegen den gewalttätigen und ungerechten Schuldirektor aufzulehnen und zwingt Eltern, Mitschüler und Lehrer Stellung zu nehmen. Die zwei Filmausschnitte aus „Der Traum“ deuten an, wie viel Material der Film zu Diskussionen bietet: Es geht um gewaltlosen Widerstand, Gerechtigkeit, Selbstfindung, Gewalt und Mut. Allein einzelne Szenen würden Anknüpfungspunkte für Diskussionen bieten.
Dokumentation über Scientology
Die Machart des nur 25-minütigen Dokumentarfilms „Der gesäuberte Planet“ gibt im Anschluss zu reden. Der Film ist schnell geschnitten, dicht reihen sich Informationen von Scientology-Mitgliedern und -Aussteigern aneinander. Auch ist er mit einer pulsierenden Tonspur unterlegt. Die einzelnen Interviews mit den Hauptinformanten, deren Aussagen im Film in rascher und wechselnder Folge aneinandergereiht werden, stehen als Zusatzmaterial auf der DVDeducativ zur Verfügung. Warum nicht mit einer Gegenüberstellung der Kernaussagen zweier Exponenten einsteigen? Und den Film erst nach gründlicher Klärung der Hintergründe unter gezielten Fragestellungen anschauen?
Reflexionen über das Reinigen
Der Dokumentarfilm „sauber und rein“ verbindet geschickt Reflexionen über das Reinigen aus alltäglicher und religiöser Sicht. Da kommen Strassenkehrer, eine Putzfrau, ein Philosoph und eine Theologin ebenso zu Wort, wie Christen, Juden und Muslime, die über Schmutz und Reinheit in ihren Religionen nachdenken. Einzelne Anknüpfungspunkte bietet der insgesamt 57-minütige Film an verschiedenen Stellen: Die rituellen Waschungen vor dem Gebet im Islam oder die Vorstellung der Reinheit der Frau im Judentum oder die Aussagen der Strassenfeger, die täglich praktisch unbeachtet für Sauberkeit an öffentlichen Orten sorgen.
Bilderbuchkinos – ein neues Angebot
Neben den vielen bewegten bis schnellen Bildern kommen auch vermehrt Produkte mit stehenden Bildern in Form von Bilderbuchkinos auf den Markt. Bilderbuchkinos sind abfotografierte Kinderbücher, die im besten Fall in einem angemessenen Tempo erzählt und mit einer stimmungsvollen Geräuschkulisse unterlegt sind. Manche liefern den Text mit, so dass man selber die Texte lesen könnte, bei anderen gibt es allein die Abspielfunktion. Auch sind sie nicht nimmer gleich unbewegt und der Fokus ruht nicht auf der Gesamtansicht, sondern führt den Zuschauer zu einer Detailansicht. Bilderbuchkinos eigenen sich besonders für die Primarstufe können aber auch bereichernd in der Erwachsenen- oder Seniorenarbeit eingesetzt werden.
Workshop zu Gewaltprävention
Die Problematik der Gewalt an den Schulen hat sich im Vergleich zu „Der Traum“ grundlegend verändert. Lothar Johanssen, Leiter der Beratungs- und Präventionsstelle Hombrechtikon, stellte laufende Projekte vor, die ihren Fokus in Schulen nicht auf Gewaltintervention, sondern Prävention legen. Er sprach neue Formen von Mobbing wie Cyber-Bulling an. Vermehrt mache die „Realität“ nur ein Teil des Lebens von Jugendlichen aus und Dynamiken aus der Onlinewelt würden direkt ins Klassenzimmer übertragen. Gleich zu Beginn machte Johanssen klar, dass die Disziplin im Unterricht, das Nebenprodukt eines guten Unterrichts sei. Und guter Unterricht ferner auf der Beziehung zwischen Lehrkräften und Schülern beruhe, wobei diese mit dem Betreten des Schulzimmers durch den Lehrer beginne und nicht durch das Einsetzen der Unterrichtsstunde. Patentrezepte gab es keine aber viele Denkanstösse aus der Praxis.
Monica Lienin, Redaktorin Medientipp
monica.lienin@medientipp.ch
| Filme „Der Traum“, Spielfilm 2005, 104 Minuten. http://www.medienladen.ch/htdocs/record.phtml?idnr=CP-DVD30698 „Der gesäuberte Planet“, Dokumentarfilm 2008, 25 Minuten, DVD educativ http://www.medienladen.ch/htdocs/record.phtml?idnr=CP-DVDE30732 „sauber und rein“, Dokumentarfilm 2008, 57 Minuten http://www.medienladen.ch/htdocs/record.phtml?idnr=CP-DVD30714 Bilderbuchkinos Bücher Gewaltprävention |
