Vom Schneeball zur Lawine
Der Besuch von Papst Johannes Paul II. am ersten Schweizerischen Katholischen Jugendtreffen in Bern vom 5. und 6. Juni hat ein riesiges Medieninteresse ausgelöst. Dabei fing alles ganz beschaulich an, wie ein Blick hinter die Medienkulisse zeigt.
Ganz bescheiden begann es damit, dass für den 6. Juni 2004 im Schweizer Fernsehen DRS von 10.00 bis 11.00 Uhr ein Gottesdiensttermin reserviert wurde: Der Gottesdienst des Jugendtreffens in Bern sollte übertragen werden. Bald zeichnete sich aber ab, dass Papst Johannes Paul II. nach Bern kommen und diesen Gottesdienst auf der Berner Allmend feiern werde. Im Fernsehen wurde jetzt davon gesprochen, dass vermutlich eine ganze Stunde für den Gottesdienst nicht reichen werde und die nachfolgende „Sternstunde“ wohl eine halbe Stunde dran geben müsse …
Ein kleiner Schneeball …
Neben der Redaktion Religion interessierte sich plötzlich auch die Abteilung „Information“ für den prominenten Gast. Schon bald wurde eine Koordinationssitzung der SRG SSR idée suisse einberufen, um die Bedürfnisse der Fernseh- und Radiosender aller drei Sprachregionen abzuklären. Längst ging es nicht mehr nur um die Übertragung eines Gottesdienstes. Von „oben“ kam die Anweisung, dass der Papst medienmässig begleitet werden soll: Von der Landung in der Schweiz bis zum Rückflug nach Rom. Damit stand endgültig fest, dass man es – in Insiderformulierung – mit einer ganz „grossen Kiste“ zu tun bekommen würde. Marc Aellen, Leiter Kommunikation der Schweizer Bischofskonferenz, bildete eine Gruppe zur Bearbeitung der Kommunikationsfragen und zur Medienbetreuung.
… begann zu rollen …
Aellen rechnet nun mit bis zu 1´000 Medienleuten, die sich zu diesem Papstbesuch anmelden werden. Sicherheitsfragen müssen geklärt werden. Ein Pressesaal wird eingerichtet mit 200 Computer-Arbeitsplätzen und ISDN verkabelt. Radio Vatikan kommt mit 12 Personen und meldete Raumbedarf für ein eigenes Radio-Studio an. RAI hat 25 Personen angekündigt, im „Papstflugzeug“ fliegen 60 Vatikan-Journalisten mit. Es meldete sich die Eurovision, die einen Komplex mit 20 Fernseharbeitsplätzen aufbauen will für weitere europäische Fernsehstationen. Eine Fernsehagentur aus Kanada braucht einen eigenen Arbeitsplatz. Private Radios und kleine Kamerateams wollen betreut werden.
… und wuchs zu einer Lawine an
Auf der Allmend müssen Türme aufgebaut werden mit den Übersetzungskabinen für Radio und Fernsehen und Platz für die Fotografen. Nicht zu unterschätzen sind die logistischen Probleme. Die Übertragungswagen des Fernsehens brauchen Platz, wie auch die technischen Fahrzeuge und die Wagen mit den Satellitenschüsseln. Innerhalb weniger Tage muss alles aufgebaut werden, es bleiben wenige Stunden um die Licht- und Tontechnik einzurichten und nebenher muss noch geprobt werden in der Eishalle und auf der Allmend.
Das Interesse für diese Papstreise ist weltweit sehr gross. Eine Medienlawine ist angerollt. Hoffentlich deckt sie nicht zu sehr das Schweizerische Katholische Jugendtreffen zu.
Willi Anderau, bischöflich Beauftragter für Radio und Fernsehen
willi.anderau@kath.ch
