Vom Fremdsein

Neben dem Siegerfilm „Gegen die Wand“ von Fatih Akin, der das Fremdsein von türkischstämmigen Menschen in Deutschland wie in der Türkei thematisierte, setzte sich auch Ken Loach in „Ae Fond Kiss“, der Gewinner des Ökumenischen Hauptpreises, mit dem Leben in der Fremde auseinander.

Ken Loach legte mit „Ae Fond Kiss“ einen Film über die Begegnung von Fremden vor. Es handelt sich um die Liebesgeschichte zwischen Casim, dem Sohn pakistanischer Einwanderer in Glasgow, und Roisin, einer irischen Musiklehrerin. Im Zentrum stehen Casim und seine Familie samt ihren Schwierigkeiten, die richtige Balance zwischen Tradition und Anpassung an eine westliche Gesellschaft zu finden. Eine Partnerschaft mit einer weissen Nichtmuslimin wollen die Eltern nicht akzeptieren. Doch auch Roisin wird damit konfrontiert, dass eine uneheliche Beziehung ein Dorn im Auge des katholischen Priesters ist, der über ihre Beschäftigung an einer konfessionellen Schule zu entscheiden hat. Loach zeigt in gewohnter Professionalität ein Paar, das auf dem Weg zu einer zukunftsfähigen Partnerschaft inneren und äusseren Spannungen ausgesetzt ist. Dieser mit emotionsgeladener Musik untermalte Film wurde von der Ökumenischen Jury zum Preisträger erkoren, weil er „die kulturellen, religiösen und gesellschaftlichen Fronten, die es für ein gemeinsames Zusammenleben zu überwinden gilt“, thematisiere und ein „überzeugendes Plädoyer für Toleranz und interkulturelle Verständigung“ darstelle.

Lobende Erwähnung und Preise

Daneben ging eine „Lobende Erwähnung“ an den kroatischen Film „Svjedoci“ (Die Zeugen) von Vinko Bresan, der sich moralischer Probleme während des Jugoslawienkrieges annimmt. Wie es in der Begründung der Jury heisst, zeigt dieser Film, dass der „Weg zu einer friedlichen Zukunft nur dort gelingt, wo das Risiko übernommen wird, Leben zu schützen und sogar der Respekt gegenüber den Feinden als menschlichen Personen gewahrt bleibt.“
Die beiden Preise, die die Ökumenische Jury für Filme ausserhalb des Hauptwettbewerbs verleiht, gingen an „Mi Piace Lavorare (Mobbing)“ von Francesca Comencini (Italien 2003) und „Folle Embellie“ von Dominique Cabrera (Frankreich, Belgien, Kanada 2003).
Der Ökumenischen Jury gehörten in diesem Jahr Julienne Munyaneza (Ruanda, z. Z. London), Marjorie Suchocky (USA), Oldrich Selucky (Tschechien), Frank Frost (USA), Lothar Strüber (Deutschland) und Werner Schneider-Quindeau (Deutschland) an.

„In your hands“

Zuletzt sei noch ein dänischer Beitrag erwähnt, der in der Presse rund um die Berlinale grosse Beachtung fand, jedoch keinen Preis gewann. „In your hands“ der Dänin Annette K. Olesen erzählt in Dogma-Manier die Geschichte einer Gefängnispfarrerin, die am eigenen Leib mit dem moralischen Dilemma des Schwangerschaftsabbruchs konfrontiert wird. Die komplex angelegte Geschichte erschüttert und wird mit Sicherheit kontroverse Diskussionen auslösen.

Christine Stark, Filmbeauftragte der Reformierten Medien
christine.stark@ref.ch

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http://www.berlinale.de