Viramundo
Wir mögen keine «Es war einmal…»-Geschichten, sagt ein Indio im Dokumentarfilm von Pierre-Yves Borgeaud. Der Schweizer Regisseur nimmt uns mit Gilberto Gil, dem ehemaligen und ersten schwarzen Kulturminister Brasiliens, einem Musiker und Poeten, auf eine musikalische Reise mit. Von Bahia aus führt der Weg ins Land der Aborigines nach Australien, weiter in die Townships Südafrikas und dann ins brasilianische Amazonasgebiet. Unberührte Landschaften, geheimnisvolle Rituale, Gespräche und Lieder berühren gleichermassen.
Immer geht es Gil darum, Menschen, die durch ihre Rasse und Herkunft am Rande der Gesellschaft stehen, zu ermutigen und in ihrem Selbstbewusstsein zu stärken. Er lässt sie dazu ihre persönlichen Geschichten erzählen. Gemeinsam singen sie über Schmerz und Einsamkeit, Liebe und Sehnsucht, rappen über Verfolgung und Bedrohung, blasen dem Didgeridoo Emotionen ein und tanzen barfüssig die Leichtigkeit des Seins: Die Erhaltung der Natur, die Bewahrung der eigenen Tradition, Achtsamkeit und Respekt, das sind Themen, die diese ethnischen Minderheiten verbinden. Ob Trommel oder Didgeridoo, ob Gitarre oder Streichorchester; im Film ist es das gemeinsame Musizieren, das Grenzen überwindet und gleichzeitig ermöglicht, sich selber treu zu bleiben: Und darin wirkt Gilberto Gil, der 70-jährige, leidenschaftliche und charismatische Mann universal und heilend. «Obrigado!» – «Vielen Dank!»
Brigitte Affolter, reformierte Pfarrerin
brigitte.affolter@bluewin.ch
«Viramundo – a musical Journey with Gilberto Gil», Schweiz / Frankreich 2012, Regie: Pierre-Yves Borgeaud, Dokumentartfilm mit Gilberto Gil; Verleih: http://www.looknow.ch
Kinostart: 2. Mai 2013
