Viel Vergnügen beim Weltuntergang

Am 11. Juni fand in Zürich die Generalversammlung des Trägervereins Katholischer Mediendienst (KM) statt. Sie setzte Prioritäten zugunsten des Internet-Netzwerkes Katholische Kirche Schweiz Online (KKSO) sowie zugunsten des Katholischen Radiodienstes, der die Privatradios mit kirchlichen Beiträgen beliefert. Bei der ökumenischen Filmpublizistik werden Leistungen abgebaut.

Wegen der angespannten kirchlichen Finanzen können die neuen Aufgaben im Internetbereich und im Radiodienst nur durch Einsparungen beziehungsweise interne Umverteilungen finanziert werden. Nach intensiven Verhandlungen mit der Kirchenleitung und den Geldgebern informierte der Vorstand des Katholischen Mediendienstes über seine Entscheidung, im Bereich der ökumenischen Filmpublizistik mittelfristig Leistungen abzubauen.

Geordneter Rückzug in der kirchlichen Filmpublizistik

Die Filmzeitschrift und die Dokumentation ZOOM werden deshalb stufenweise in säkulare Trägerschaften überführt, in der die kirchlichen Mediendienste nur noch minoritär vertreten sein werden. Die Stiftung Ciné-Communication, zusammengesetzt aus filmkulturellen Organisationen der Schweiz, übernimmt mit Unterstützung des Bundesamtes für Kultur bereits im Sommer die Filmzeitschrift und führt sie unter dem Titel FILM als „Schweizer Kinomagazin“ in deutscher und französischer Ausgabe weiter. Die Dokumentation ZOOM wird von der Cinémathèque Suisse als Zweigstelle in der deutschsprachigen Schweiz voraussichtlich im nächsten Jahr übernommen. Aus Achtung vor der über 50jährigen Aufbauarbeit im Bereich der kirchlichen Filmpublizistik und zur Vermeidung eines Imageverlustes der Kirchen bei den filmkulturellen Organisationen vertrat der Vorstand das Konzept eines geordneten Rückzugs. Indem die kirchlichen Mediendienste ihr finanzielles Engagement stufenweise abbauen, können sie ihre Verantwortung gegenüber den Redaktoren sowie längerfristige Nutzungsrechte an den neuen Einrichtungen wahren.

Finanzplanung 1999-2001

Der Präsident, Professor Dr. Leo Karrer, verwies darauf, dass der KM mit der Lancierung der neuen Projekte KKSO und Katholischer Radiodienst seine innovative Fähigkeit bewiesen hat. Der Quästor, Dr. Thomas Kaufmann, machte darauf aufmerksam, dass durch Einsparungen und interne Umverteilungen von jährlich gegen 170´000 Franken nach dem Jahr 2001 der KM seine koordinierenden Möglichkeiten ausgeschöpft hat. Um in den Übergangsjahren die budgetierten Verluste von 119´000 Franken (1999) und von 149´000 Franken (2000) zu decken, sei der KM deshalb dringend darauf angewiesen, dass die kirchlichen Geldgeber den auf zwei Jahren befristeten Gesuchen für die neuen Projekte KKSO (Fr. 30´000.-) und Katholischer Radiodienst (Fr. 40´000.-) stattgeben werden.

Einstimmig verabschiedete die Generalversammlung Rechnung und Finanzplanung. Ebenfalls einstimmig nahm sie die neuen Statuten an. Mit der Reorganisation verschlankt der KM seine Strukturen, regelt die Einbindung von Kirchenleitung, staatskirchenrechtlichen Organen sowie der Kirchenbasis und übernimmt Aufgaben der Planung und Koordination kirchlicher Medienarbeit in der deutschsprachigen Schweiz.

Kritik an der Darstellung vom Weltuntergang

Der thematische Teil vor der GV setzte sich kritisch mit apokalyptischen Visionen in den Medien auseinander. Bilder von Weltuntergängen bieten starke Reize. Hollywood-Filme greifen sie vergnüglich zur Aufmerksamkeitslenkung auf (Deep Impact, Independence Day). Fernsehserien wie Millenium (Fürchte Deinen Nächsten wie dich selbst) bedienen sich der düsteren Weltsichten. Im Internet finden sich skurille Angebote. Neben dem kommerziellen Kalkül mit dem Spektakulären beanspruchen die Bilder vom Ende der Geschichte immer auch eine autoritäre Definitionsmacht. Der Rückgriff auf die biblischen Texte bietet Kriterien für den kritischen Umgang mit den überwältigenden Medienphantasien. Die heilsgeschichtliche Funktion apokalyptischer Visionen besteht darin, dass sie Ausdruck und Überwindung von seelischer Lähmung und gesellschaftlicher Marginalisierung darstellen. Im Zustand der Ohnmacht hält die doppelte Wirklichkeitsansage von Weltuntergang und radikalem Neuanfang die Hoffnung auf eine bessere Zukunft offen. Ein glaubwürdiger Versuch, sich in einer aktuellen Verzweiflung heilende Visionen geben zu lassen, ist Derek Jarman mit seinem strittigen Filmgedicht „The Garden“ gelungen. In der beklemmenden Vision der Posthistoire, in der Bilder vom Anfang und vom Ende der Geschichte zusammenfallen, bergen Fragmente biblischer und aktueller Passionen rettende Perspektiven.

Matthias Loretan
Leiter Katholischer Mediendienst