Victoria
Eine Clubnacht in Berlin. Während die Spanierin Victoria gerade den Heimweg antritt, versuchen vier Jungs sich Einlass in den Club zu verschaffen. Einer davon, Sonne, spricht sie vor dem Club an und Victoria beschliesst spontan, noch eine Weile mit ihnen um die nächtlichen Häuser zu ziehen. Als der Morgen graut, muss sie eigentlich zur Arbeit, doch alles kommt anders. Da einer der Freunde zu tief ins Glas geschaut hat, soll Victoria für ihn als Fahrerin einspringen und die Jungs zu einem Treffpunkt bringen. Dort warten dubiose Typen, die eine alte Schuld beglichen haben wollen. Victoria wird plötzlich mitgerissen vom Strudel der Ereignisse und aus dem anfänglichen Spiel wird tödlicher Ernst.
Das Besondere an diesem Film von Sebastian Schipper ist, dass er auch die Zuschauer unweigerlich mitreisst. Die Radikalität zeigt sich nicht nur in der Machart, weil «Victoria» in einer einzigen Kameraeinstellung in einer Nacht gedreht wurde. Sie spiegelt sich in der Kompromisslosigkeit der Geschichte, die auch dank der grossartigen Jungdarsteller derart authentisch ist, dass man es mit der Angst zu tun bekommt. Man sitzt da und denkt: «Genau so ist das Leben». Aus einer harmlosen Begegnung entspinnt sich eine Situation, die sich komplett unserer Kontrolle entzieht. Schipper lässt uns atemlos und verwundet zurück. Mit einem Film, der die Welt auf die Welt zurückwirft. Die sieben Nominationen zum Deutschen Filmpreis sind mehr als verdient.
Sarah Stutte, Filmjournalistin
sarah.stutte@medientipp.ch
«Victoria»; Deutschland 2015; Regie: Sebastian Schipper; Besetzung: Laia Costa, Frederick Lau, Franz Rogowski; Verleih: Filmcoopi Zürich, http://www.filmcoopi.ch; Filmwebsite: http://www.wildbunch-germany.de/movie/victoria
Kinostart: 18. Juni 2015
