Unser täglich Brot
Es handelt sich bei diesem Dokumentarfilm um einen erstaunlichen Bilderreigen zur Nahrungsmittel-Produktion in Europa. Faszination und Schrecken über die industrielle Ausbeutung von Tieren und Pflanzen liegen hier unglaublich nahe beieinander. Nikolaus Geyrhalter hat für diese zwiespältige Erfahrung die richtigen Bilder und den angemessenen Rhythmus der Montage gefunden. «Unser täglich Brot» ist ein Panoptikum des sprachlosen, faszinierenden Grauens.
In einer Art filmischer Meditation führt der Film die dramatische Respektlosigkeit des Menschen im Umgang mit der Schöpfung vor: Die Tierproduktion beginnt bei der künstlichen Befruchtung und wird mit technischen Mitteln bis zur Schlachtung vorangetrieben. Zementiert wird dieser Umgang mit der Natur durch das Erscheinen von furchterregenden Maschinen, die chemische Mittel über grüne Felder sprühen oder einem gespenstischen Flugzeug, das seine gefährliche Ladung über goldene Sonnenblumenfelder verteilt. Der Regisseur erzählt von Arbeitern, die in dumpfer Umgebung ihre Fliessbandarbeit verrichten. Der Film schafft ein eigenes Universum und bietet einen unverhüllten Blick in die technologisch überfrachtete Nahrungsmittelindustrie, die Europas Märkte mit Fleisch und Gemüse versorgt. So haben wir uns das tägliche Brot, auf das sich die Bitte aus dem Vater-Unser-Gebet bezieht, nicht vorgestellt. Und doch ist dieser Blick überwältigend und heilsam zugleich.
Charles Martig, Filmbeauftragter Katholischer Mediendienst
charles.martig@kath.ch
„Unser täglich Brot“, Österreich 2005, Regie: Nikolaus Geyrhalter; Verleih: MovieBiz Films, Internet: http://www.moviebizfilms.com, Filmwebsite: http://www.unsertaeglichbrot.at
Kinostart: 3. April 2008.
«Unser täglich Brot» ist Film des Monats April. Der Film des Monats kann als pdf geladen werden unter:
medientipp.ch/pdf/filmtipp_200804.pdf
| John Templeton Spezialpreis, Visions du Réel, Nyon 2006
Begründung der Interreligiösen Jury: «Der Film führt uns den modernen Einsatz technologischer Methoden der wirtschaftlichen Herstellung unserer Nahrungsmittel vor. Er konfrontiert uns mit der Ausbeutung der Schöpfung und mit unserem Verhältnis zur Erde und zu ihren Ressourcen. Ausschliesslich mit Bildern eröffnet der Film die Möglichkeit einer endlosen Auseinandersetzung mit der industriellen Anwendung von wissenschaftlichem Fortschritt, mit unserem verlorenen Paradies und dem Bedürfnis nach unserem täglichen Brot.» Festivalbericht Visions du Réel, Nyon 2006: |
