Turist
In strahlendem Weiss präsentieren sich die majestätischen Gipfel der französischen Alpen. Eine junge schwedische Familie posiert für ein gemeinsames Foto auf Skiern vor dieser eindrücklichen Kulisse. Eine Szene, die nicht nur die Disharmonie des Ehepaares entlarvt, sondern auch die Macht der Natur imposant demonstriert: Von allen Seiten haben die Berge diese Familie schon fest umschlossen und lassen sie nicht mehr los. Wenig später rollt eine Lawine auf das Bergrestaurant zu, auf dessen Terrasse die Eltern mit den Kindern sitzen. Sie begräbt zwar keine Menschen unter sich, dafür aber das Urvertrauen, das man in den jeweils anderen gesetzt hat. Der Vater ergreift panikerfüllt die Flucht und danach ist nichts mehr so, wie man es glauben wollte. Die Kinder reagieren verstört und abweisend, weil niemand mit ihnen über das Erlebte redet. Die Frau fühlt sich von ihrem Mann im Stich gelassen und dieser will sich mit seinem Verhalten um seiner Männlichkeit willen nicht auseinander setzen.
Regisseur Ruben Östlund entwirft ein böses, leider grundehrliches Bild moderner Familien und Beziehungen, die immer noch in alten Rollenbildern verankert sind, ohne sich von diesen freistrampeln zu können. Viel schwarzer Humor, der Verzicht auf einen mahnenden Täter-/Opfer-Zeigefinger und Östlunds immer wieder interessante, experimentelle Bildsprache, lassen diesen Film noch lange im Kopf nachhallen.
Sarah Stutte, Filmjournalistin
sarah.stutte@medientipp.ch
«Turist» («Force Majeure»), Schweden/Dänemark/Frankreich/Norwegen 2014, Regie: Ruben Östlund, Besetzung: Johannes Bah Kuhnke, Lisa Loven Kongsli, Clara und Vincent Wettergren, Verleih: Look Now!, http://www.looknow.ch, Filmwebsite: http://www.magpictures.com/forcemajeure/
Kinostart: 11. Dezember
