Tsotsi
Laut und gewalttätig ist die Welt von Tsotsi in einem Ghetto nahe bei Johannesburg. Er macht seinem Spitznamen alle Ehre – «Tsotsi» bedeutet Gangster – und schlägt sich als Anführer einer kriminellen Jugendbande durch. Als er in einem reichen Quartier einer Frau das Auto stiehlt, findet er auf dem Rücksitz ein Baby. Spontan nimmt er es mit in seine Wellblechhütte, ohne recht zu wissen, wie er sich darum kümmern soll.
Wie ein Gangster durch ein Kind geläutert wird, das tönt nach absehbarem Kitsch. Doch so einfach ist es nicht mit «Tsotsi», der den Oscar für den besten ausländischen Film erhielt. Bei allem Willen zu Hochglanzbildern erzählt er mit harten Beats und eindringlichen Dialogen vom Alltag vieler Jugendlicher in Südafrika. Dabei entladen sich die Konflikte nicht an der Rassenthematik, sondern gären in der Kluft zwischen arm und reich. Ob jemand Zukunftschancen hat oder nicht, erscheint als Frage der richtigen Eltern. In einer eindringlichen Szene kehrt Tsotsi zu den Betonröhren zurück, in die er als Kind flüchtete. Schon längst leben andere Kinder dort, geprägt von Misstrauen und Gewalt. Die Läuterung von Tsotsi, so künstlich sie wirken mag, entfaltet hier ihre mythische Kraft. Es ist der Traum davon, dass es möglich ist, den Teufelskreis des Elends zu durchbrechen.
Christine Stark, Filmbeauftragte Reformierte Medien
christine.stark@ref.ch
«Tsotsi», Südafrika 2005, Regie: Gavin Hood, Verleih: Filmcooperative Zürich, DarstellerInnen: Presley Chweneyagae, Terry Pheto, Nkosi Kenneth; Internet: http://www.filmcoopi.ch, Filmwebsite: http://www.tsotsi.com
Kinostart: 11. Mai 2006
