Tribüne: „Zwei Leben“ von Giuseppe Pontiggia

Der 68-jährige Mailänder Büchersammler und ehemalige Bankkaufmann Giuseppe Pontiggia – in Italien längst anerkannter Schriftsteller, im deutschen Sprachraum nur wenigen geläufig als Autor der phänomenalen Berichte „Vom Leben gewöhnlicher Männer und Frauen“ – hat in „Zwei Leben“ in Romanform die Erfahrung als Vater eines geh- und sprechbehinderten Sohns gestaltet. Mit Respekt und Sensibilität, aber auch mit Humor und mit harter Kritik (und Selbstkritik) an der Gedankenlosigkeit der so genannt Normalen erzählt Pontiggia in vielen Geschichten, Szenen, Reflexionen vom so schwierigen wie bereichernden Leben eines Lehrerpaars mit dem handicapierten Paolo, der gleichsam „zweimal geboren“ und dessen Weg „steiniger“ ist als der anderer Kinder. Hanspeter Müller liest aus dem auch literarisch eindrücklichen, ungewöhnlichen „Bildungsroman“