Triangle of Sadness
Was ist das Dreieck der Traurigkeit? Eine bestimmte Stelle auf der Stirn, ein Symbolismus, eine abstruse Befindlichkeits-Analyse, ein satirisches Sittengemälde; oder doch eher die verzweifelte Suche nach Sinn. – Der Cannes-Preisträger Ruben Östlund steigt in seinem neusten Werk spielerisch mit einem Mode-Casting junger Männer ein. Es ist die Oberfläche, die im heutigen Leben zählt.
Sobald jedoch der Blick unter dieses dichte Gewebe von Schein und Verblendung fällt, blicken wir in einen Abgrund. So ist die Beziehung des Models Carl mit der Influencerin Yaya kompliziert. Carl und Yaya bekommen die Gelegenheit, an einer Luxus-Kreuzfahrt teilzunehmen. Auf der Yacht geht der Film von der narzisstischen Selbstbespiegelung eines jungen Paars in eine satirische Gesellschaftskritik über.
Es ist der Weg von der obszönen Zurschaustellung von Reichtum bis zur Umdeutung aller Werte und einer Umkehr der Klassen, den Östlund lustvoll inszeniert. Alles geht in die Brüche. Die untergehende Titanic ist kein Dampfer mehr, der schicksalshaft mit einem Eisberg kollidiert. Vielmehr reissen uns der Lebensstil und die Hybris der Superreichen alle in den Untergang. Was bleibt, ist ein monströses Sittengemälde des 21. Jahrhundert.
Wird Östlund als Regisseur überschätzt, wie böse Zungen sagen? Oder treibt der zweifache Gewinner der Goldenen Palme von Cannes sein böses Spiel mit uns als Publikum? Wenigstens eine Sache ist am Schluss klar: Diese Gesellschaftssatire bringt die Frage nach dem Sinn des Lebens auf eine neue Stufe.
Charles Martig, Filmjournalist kath.ch
«Triangle of Sadness», Schweden/Frankreich/UK/Deutschland 2022; Regie: Ruben Östlund; Mit: Woody Harrelson, Harris Dickinson, Charlbi Dean; Verleih: Xenix Filmdistribution GmbH; Filmwebseite
Ab 13. Oktober im Kino
