Transylvania

„Was führt ein Mädchen wie dich nach Transilvanien?“ fragt der fahrende Trödler Tchangalo die Italienerin Zingarina, die er in einer rumänischen Bar trifft. „Ein Mann. Ich suche die Liebe“, bekommt er zur Antwort. Kurz darauf findet die junge Frau tatsächlich den von ihr geliebten Roma-Musiker wieder, von dem sie ein Kind erwartet. Doch der weist sie roh zurück. Ausser sich vor Schmerz lässt sie ihre Freundin alleine nach Hause zurückkehren und irrt ziel- und obdachlos im Land umher. Schliesslich trifft sie wieder auf Tchangalo, der sie auf seinen Weg durch die ärmlichen Landstriche Siebenbürgens mitnimmt.

Tony Gatlif, der Herold der Roma-Kultur unter den Regisseuren, lässt auch in seinem neuen Roadmovie die seelischen Aufwallungen seiner Helden von mitreissender (Volks- und Zigeuner-) Musik begleiten. Und die Aufwallungen sind heftig: Asia Argento wird ihrem Image der Exzessiven mehr als gerecht in der Rolle der sich im Liebeswahn windenden Zingarina, die nach einem Exorzismus als Zigeunerin verkleidet weiterzieht. Auch Birol Ünel, der ähnlich wie in „Gegen die Wand“ einen rauen Einzelgänger mit goldenem Herzen spielt, hat seine selbst zerstörerischen Momente. „Transylvania“ zeigt einmal mehr, dass der Appeal von Gatlifs Filmen nicht in einer stringenten Handlung oder psychologisch kohärenten Charakteren liegt, sondern in der Poesie ihrer Bilder und ihrer Feier ungestümer Lebensfreude.

Julia Marx, Filmkritikerin und Filmwissenschatlerin

„Transylvania“, Frankreich 2006, Regie: Tony Gatlif, Besetzung: Asia Argento, Birol Ünel, Amira Casara; Verleih: Filmcoopi Zürich AG, Internet: http://www.filmcoopi.ch

Kinostart: 28. Juni 2007