Tom Medina

Tom Medina ist ein rätselhafter junger Mann, der ziellos durch Europa streift. Er ist exzentrisch und hat Probleme, sich anzupassen. Aufgrund eines Diebstahldelikts in Frankreich wird er von einem Gericht zu Ulysses in die Carmague geschickt. Dieser rehabilitiert straffällige Jugendliche auf seinem Bauernhof.

Auch Tom soll hier aushelfen und sich zum Pferdehüter ausbilden lassen. Doch neben seiner sturen Haltung blockiert seine traumatische Vergangenheit jedweden Fortschritt. Die Vision von einem weissen Stier verfolgt Tom in seinen Träumen. Nur langsam fasst er Vertrauen – nicht nur zum geduldigen Ulysses, sondern auch zur Aussteigerin Suzanne, die mit ein paar Freunden in einem Wohnwagen lebt.

Schon frühere Filme des französisch-algerischen Regisseurs Tony Gatlif widmeten sich den Vertriebenen auf der Welt. In «Tom Medina» verknüpft er die aktuellen Flüchtlingskrisen mit seinen eigenen Erfahrungen als Sohn eines Berbers und einer Romni zu einem Nachsinnen über Heimat und Heimatlosigkeit.

Dabei spielt Musik eine wichtige Rolle. Gatlif schrieb die Texte und nahm die Songs zusammen mit dem Sänger der Gipsy Kings, Nicolás Reyes, auf. Das Ergebnis ist eine Sammlung ungezähmter Lieder, in denen sowohl Flamenco-Rhythmen wie auch energetische Rocktöne durch die Sängerin Karoline Rose – die Ulysses Tochter Stella spielt – zu hören sind. Des Weiteren fesselt «Tom Medina» durch das charismatische Spiel von David Murgia und Patrick Ghiringhellis grossartige Kinematographie.

Sarah Stutte, Filmjournalistin

«Tom Medina», Frankreich 2021, Regie: Tony Gatlif, Besetzung: David Murgia, Slimane Dazi, Suzanne Aubert, Verleih: First Hand Films, http://www.firsthandfilms.ch

Kinostart: 2. Juni 2022