Tokyo Godfathers
Weihnachtsabend in Tokyo: Das Kind liegt nicht in der Krippe, sondern zwischen Altpapier und Mülltüten, ausserdem ist es ein Mädchen. Und die drei, die es finden, sind weder Hirten noch Weise oder Könige, sondern Obdachlose. Die ziemlich heruntergekommenen Gestalten sind die tuntige Hana, der Alkoholiker Gin und die junge Ausreisserin Miyuki, die als Zufallsfamilie zwischen Pappkartons hausen. Mehr oder weniger begeistert nehmen sie sich als unfreiwillige Göttis («Godfathers») des Findelkindes an. Ihre Suche nach seinen Eltern wird zu einer Odyssee durch Tokyo, auf der sie sich auch den eigenen Erinnerungen und Familiengeschichten stellen müssen.
In klassischer japanischer Trickfilmästhetik ist „Tokyo Godfathers“ ein etwas anderer Weihnachtsfilm, der sich an Erwachsene und schon grössere Kinder wendet. Vor dem Hintergrund der meisterhaft gezeichneten und animierten Stadt Tokyo leuchtet der Film das Milieu seiner Protagonisten ohne jede Beschönigung aus. Er zeigt Armut und Hoffnungslosigkeit, Gewalt und Überlebenskampf. Die Sorge um ein Neugeborenes verleiht den gesellschaftlichen Aussenseitern solche Energie, dass sie bis zum letzten Wunder für das Kind kämpfen. Die Weihnachtsgeschichte dient vor allem als eine starke Folie, um zu erzählen, wie Menschen wieder zu Menschen werden können.
Christine Stark, Filmbeauftragte Reformierte Medien
christine.stark@ref.ch
„Tokyo Godfathers“, Japan 2003, Regie: Satoshi Kon, Trickfilm; Verleih: trigon-film, Internet: http://www.trigon-film.org
Die Kritik zum Film des Monats kann hier als pdf-Datei geladen werden: http://www.kath.ch/pdf/filmtipp_1204.pdf
Kinostart: 16. Dezember
Ist helfen out?
„Tokyo Godfathers“ – Ein Filmpodium der Caritas Zürich
https://www.medientipp.ch/index.php?na=4,4&meid=35297
