Three Monkeys

Ist nichts sehen, nichts hören, nichts sagen feige oder weise? Im Westen stehen die drei Affen dafür, Schlechtes auszublenden. In der asiatischen Tradition, die dem Bild zugrunde liegt, kann es als klug gelten, über Schlechtes hinweg zu sehen oder hinweg zu hören. Beide Haltungen jedoch schaffen nicht aus der Welt, was sie nicht wahrhaben wollen. Der preisgekrönte türkische Regisseur Nuri Bilge Ceylan schält aus diesem Dilemma ein Familiendrama heraus, das auch zum Abgesang auf (nicht nur) türkische Männlichkeitsbilder wird.

Die Familie des Chauffeurs Eyüp wird nachhaltig erschüttert, als er für seinen Chef einen Unfall auf sich nimmt und im Gefängnis absitzt. Seine Frau beginnt eine Affäre mit eben jenem Vorgesetzten; sein Sohn bekommt dies mit und weiss nicht, wie er sich verhalten soll. Und dann ist da noch eine andere unverarbeitete Familientragödie. Das Drama ist dicht und in bedeutungsschweren, wolkenverhangenen Bildern gedreht. Es passiert kaum etwas oder zumindest nichts Aussergewöhnliches, doch dies mit voller Wucht. Die Sprachlosigkeit zwischen den Figuren ist mehrdeutig inszeniert: Mal als hilfloses Schweigen, aus dem jederzeit Gewalt hervorbrechen kann, mal als wohltuende Stille, die einen Rest an Würde gewährt. In seiner Konzentration auf wenige Personen und die unausweichliche Verstrickung Unschuldiger in Schuld erinnert der Film an antike Tragödien.

Christine Stark, Filmbeauftragte Reformierte Medien
christine.stark@ref.ch

„Three Monkeys“, Türkei / Frankreich / Italien 2008, Regie: Nuri Bilge Ceylan, Besetzung: Yavuz Bingöl, Hatice Aslan, Ahmet Rifat Sungar, Ercan Kesal, Gürkan Aydin; Verleih: Filmcooperative Zürich, Internet: http://www.filmcoopi.ch

Filmstart: 7. Mai 2009 (Bern), 14. Mai (Zürich, Basel)