Theo.Logik. Kirche am Ende?

Ist die katholische Kirche wirklich an einem toten Punkt angekommen? Manche sehen dafür deutliche Anzeichen: die Benachteiligung von Frauen, der Widerstand gegen homosexuelle Partnerschaften, verkrustete Machtstrukturen. Seit über zehn Jahren versucht die Kirche, den Missbrauchsskandal aufzuarbeiten. Doch der Prozess kommt nicht voran und das Vertrauen der Gläubigen sinkt weiter. Erzbischof Reinhard Marx hat von einem «toten Punkt» gesprochen und begründete am 21. Mai so auch sein Rücktrittsgesuch, das der Papst inzwischen abgelehnt hat. Erzbischof Marx zitiert mit dem «toten Punkt» den Jesuiten Alfred Delp, der von den Nazis wegen Hochverrat angeklagt und 1945 hingerichtet wurde. Alfred Delp, ein scharfer Kritiker einer selbstzufriedenen und verbürgerlichten Kirche. Delp entwarf in Gedanken ein sozial-philosophisches Fundament eines neuen Deutschlands für eine Zeit nach dem Krieg. Er hoffte auf die Überwindung des toten Punktes, auf Erneuerung der Kirche und auf einen «Humanismus im Namen Gottes»