Theo.Logik. Zwischen Sterbehilfe und der Sehnsucht nach Unsterblichkeit

Im Februar kippte das Bundesverfassungsgericht das Verbot der geschäftsmässigen Förderung der Selbsttötung. Es gebe ein Recht auf selbstbestimmtes Sterben, argumentierten die Karlsruher Richter. Einige Wochen später – zu Hochzeiten der Corona-Beschränkungen im Frühjahr 2020 – dominiert in der Öffentlichkeit die Idee, Leben müsse geschützt werden – und zwar um jeden Preis, so scheint es. Als Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble mahnt, man dürfe den Schutz des Lebens nicht allem überordnen, erntet er harsche Kritik. Fast scheint es, als wachse mit der Sehnsucht nach Unsterblichkeit die Apparatemedizin zu einer religionsartigen Grösse heran. Wie steht es aktuell in der Gesellschaft um Leben und Tod – zwischen Sehnsucht nach dem ewigen Leben und dem selbstbestimmten Sterben?