The Wall of Shadows

«Wir werden nur bezahlt, wenn wir unsere Arbeit machen.» Damit versucht Bergführer Ngada die Entrüstung seiner Frau Jomdoe einzudämmen. Sie aber beharrt darauf, dass es nicht richtig sei, wenn sie nicht bezahlt würden, weil sie nicht bis zum Gipfel wollten. Schliesslich hätten sie die Ausrüstung bis ins Basislager getragen und das sei Schwerstarbeit. Tatsächlich tragen die Sherpas bis zu 50 Kilogramm auf ihren Rücken durch kniehohen Schnee und dies in Kleidern und Schuhen, die nicht im Entferntesten den Standards der Funktionsbekleidung ihrer westlichen Auftraggeber entsprechen.

Ngada und Jomdoe sind auf dieser Expedition dabei, um ihrem Sohn Dawa Tenzin eine bessere Zukunft zu ermöglichen. Entgegen Intuition und Tradition begleiten sie eine Gruppe Osteuropäer zum Kumbhakarna. Dieser Berg ist nicht nur extrem schwierig zu erklimmen, sondern auch heilig – die Metamorphose eines Gottes – und sollte nicht bestiegen werden. Im Basislager besinnt sich Ngada auf die uralten Erzählungen und verweigert trotz Druck den Aufstieg.

Eliza Kubarskas Dokumentarfilm macht deutlich, wie problematisch der Spagat zwischen westlichem Kapitalismus und östlich-spirituellem Weltbild für die Sherpas ist. Wollen sie verdienen, müssen sie sich gegen ihre Traditionen und Überzeugungen entscheiden. Kubarska präsentiert dieses Dilemma in beinahe mystischen Bildern, die die Kluft zwischen den Kulturen unterstreichen aber auch Verbindendes aufscheinen lassen.

Natalie Fritz, Religionswissenschaftlerin und Redaktorin Medientipp

«The Wall of Shadows», Polen/Schweiz/Deutschland 2020, Regie: Eliza Kubarska; Besetzung: Ngada Sherpa, Jomdoe Sherpa, Dawa Tenzin Sherpa; Verleih: Vinca Film, Internet: http://vincafilm.ch/; Filmseite: http://vincafilm.ch/katalog/44-the-wall-of-shadows/

Kinostart: 8. Oktober 2020