The Return – Die Rückkehr

Nicht die Rückkehr des verlorenen Sohnes ist Thema dieses meisterhaften russischen Films, sondern «mit einem mythologischen Blick auf das Leben», wie sich der Regisseur ausdrückte, die Rückkehr eines lange Jahre abwesenden Vaters. Seine beiden halbwüchsigen Söhne haben ihn kaum vermisst. Die Erinnerung an ihn ist so verblasst, dass nur ein in einer Bilderbibel aufbewahrtes Familienfoto seine Identität bestätigt. Der grössere Bruder beginnt den völlig fremden Mann zu bewundern und fühlt sich von seiner Stärke angezogen. Der Jüngerer hingegen reagiert eigensinnig und ablehnend auf die wortkarg autoritären Erziehungsversuche des Vaters. Auf einer mehrtägigen Reise durch die eindrucksvolle nordrussische Seenlandschaft spitzt sich der Vater-Sohn-Konflikt zu und nimmt ein unausweichlich dramatisches Ende, das freilich nicht ohne Hoffnung ist.

Die kraftvolle und stringent erzählte Geschichte ist in sieben Wochentage gegliedert. Der christlichen Tradition gemäss beginnt sie mit dem Auferstehungstag und endet mit dem Samstag, dem Tag der Grablegung Christi. Anstelle von äusserer „Action“ prägen starke, innere Bilder von hoher ästhetischer Qualität das Geschehen. Die komplexe und vieldeutige Parabel regt an zum Nachdenken über existentielle Grundfragen wie «Gehorsam und Ungehorsam», «Anpassung und Widerstand», eine «Welt ohne Väter» und ein «Zeitalter des Sohnes».

Hans Hodel, Filmjournalist Bern
hanshodel@swissonline.ch

«The Return» („Vosvraschtschenie“), Russland 2003, Regie: Andrey Svjagincev, Besetzung: Wladimir Garin, Iwan Dobronrawow, Konstantin Lawronjenko, Verleih: Frenetic Films, Internet: http://www.frenetic.ch

Filmstart: 22. April

Die Kritik zum Film des Monats kann hier als pdf-Datei geladen werden:

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