The Patience Stone
Es herrscht Krieg in Afghanistan: Zwischen den Regierungstruppen und den Taliban. Und zwischen Frauen und Männern. Das erste ein Fact, das zweite die Sicht aus weiblicher Perspektive. Dass Frauen den Männern mit ihrem Körper und ihrer Arbeitskraft zur Verfügung stehen müssen, damit will der französische Regisseur afghanischer Herkunft Atiq Rahimi aufräumen: Eine junge Frau eines im Koma liegenden Partisanenkämpfers befreit sich Schritt für Schritt von den einengenden Regeln des fundamentalistischen Islams; hauptsächlich in (Selbst-)Gesprächen vis-à-vis von ihrem reglos da liegenden Ehemann.
Die Selbstgespräche wirken streckenweise wie Tagebucheinträge eines pubertierenden Teenagers und geben dem Film etwas Vorhersehbares und Simples. Das Hin-und-her-gerissen-Sein der Protagonistin kommt einem bisweilen aufgesetzt und unglaubwürdig vor. Dennoch wird der Zuschauerin die unmögliche Situation der Frau in Afghanistan, welche an alttestamentliche Zeiten erinnert – etwa an Tamar in Gen 38 – deutlich vor Augen geführt. Damit verbunden natürlich der Mut einzelner Afghaninnen, die nicht mehr bereit sind, sich vom Islam erdrücken zu lassen. Last but not least wird das Filmauge mit einer ästhetisch perfekten Kameraführung und trotz Krieg sinnlich farbenfrohen Bildern bedient. Auf jeden Fall ein Film über die Emanzipation der afghanischen Frau: Vom fundamentalistischen Islam und von einer patriarchalen Männergesellschaft.
Sandra Kunz, reformierte Pfarrerin
sk-p@bluewin.ch
«The Patience Stone», Frankreich, Deutschland, Afghanistan 2012, Regie: Atiq Rahimi, Besetzung: Golshifteh Farahani, Massi Mrowat, Hamid Djavadan; Verleih: Filmcoopi Zürich, http://www.filmcoopi.ch
Kinostart: 6. Juni 2013
