The Mill & the Cross

Ein Gemälde zum Leben zu erwecken – welche Versuchung für das Kino. Kein weniger komplexes Bild als «Die Kreuztragung Christi» von Peter Bruegel hat sich der polnische Künstler Lech Majewski für seinen Film vorgenommen. In einer atemberaubenden Eingangssequenz fährt er die Szenerie detailliert ab. Erst auf den zweiten Blick ist zu erkennen, dass das Gemälde von Darstellenden bevölkert ist. Dank einer phänomenalen Ausleuchtung und neuester Computertechnik regt und bewegt sich die Bruegelsche Bildwelt tatsächlich. Doch leider ist der Fall nach diesem Einstieg nur umso höher. Bruegel taucht selbst auf, um mit dem Kunstsammler Jonghelinck das in der Entstehung begriffene Werk zu diskutieren. Manche Erläuterungen sind hilfreich und machen neugierig auf eine vertiefte Betrachtung des Gemäldes. Doch je länger der Film dauert, desto mehr zerredet ausgerechnet die Figur Bruegels jegliches Geheimnis, das dem Kunstwerk inne wohnt. Nicht weniger ärgerlich sind die ergänzenden Szenen, die einzelnen Bildelementen ein Eigenleben einhauchen sollen. Plakativ fokussieren sie auf Passion und Kreuzigung Christi sowie das Leiden seiner Mutter, zuweilen so drastisch und platt wie bei Mel Gibson.

Zu wenig eigenständige Kunst, zu viel theologische Einseitigkeiten – so hinterlässt der Film bei aller Faszination für die Idee einen schalen Nachgeschmack und gemahnt unfreiwillig an Sinn und Bedeutung des Bilderverbots.

Christine Stark, Filmbeauftragte Reformierte Medien
christine.stark@ref.ch

«Bruegel – The Mill & the Cross», Schweden/Polen 2011, Regie: Lech Majewski, Besetzung: Rutger Hauer, Charlotte Rampling, Michael York, Verleih: Xenix Filmdistribution, http://www.xenixfilm.ch, Filmwebsite: http://themillandthecross.com/

Kinostart: 20. Oktober 2011