The Look of Silence

In Indonesien wurden nach dem Militärputsch im Jahr 1965 eine Million vermeintliche Kommunisten umgebracht. Die Massaker blieben ungesühnt. Mit seinem Dokumentarfilm «The Act of Killing» (2012) zeichnete Regisseur Joshua Oppenheimer ein erschreckendes Bild von einer Kultur der Straflosigkeit, in der Mörder sich mit ihren Taten brüsten. In «The Look of Silence» begleitet er nun die Hinterbliebenen eines Opfers. Zusammen mit dem 44-jährigen Adi, dessen Bruder Ramli 1965 ermordet wurde, besucht Oppenheimer die Täter, die unbehelligt in der Nachbarschaft leben. Über die Gespräche und durch Filmmaterial, in dem die Männer mit Begeisterung ihre Bluttaten für die Kamera nachstellen, nähert sich Adi nach und nach der schier unerträglichen Wahrheit an.

Wie ertragen die Angehörigen den Verlust, die alltäglichen Begegnungen mit den Mördern und die Lügen der Drahtzieher? Adis 100-jährige Mutter klammert sich an die Hoffnung auf die Bestrafung der Mörder im Jenseits. Paradoxerweise berufen sich auch die Täter auf die Religion und rechtfertigen ihre Grausamkeit mit dem angeblichen Atheismus ihrer Opfer. Der Film lenkt den Fokus auf solche Widersprüche. Joshua Oppenheimer dokumentiert eindrücklich was geschieht, wenn Unrecht ungestraft bleibt und die Frage nach Schuld in Abhängigkeit von Machtverhältnissen beantwortet wird. Sein Film ist nicht nur spannend, sondern auch ein beeindruckendes Beispiel für die politische Kraft des Filmemachens.

Laura Lots, Redaktorin Medientipp
laura.lots@medientipp.ch

«The Look of Silence», Dänemark/Indonesien/Norwegen/Finnland/Vereinigtes Königreich 2014, Regie: Joshua Oppenheimer, Besetzung: Die vollen Namen der Protagonisten werden nicht veröffentlicht, um Adis Familie zu schützen; Verleih: Praesens, http://www.praesens.com; Filmwebsite: thelookofsilence.com

Kinostart: 1. Oktober 2015