The Light Thief – Svet-Ake
Der lokale Elektriker «Herr Licht» ersetzt nicht nur kaputte Glühbirnen. Er legt seine Aufgabe in einem kleinen kirgisischen Dorf etwas weiter aus und bringt auch Licht in so manchen zwischenmenschlichen Kurzschluss. Als eine Art Steppenversion aus Robin Hood und Don Quixote, lässt er einen Stromzähler auch mal rückwärts laufen und verwandelt so die ansonsten unbezahlbare Stromrechnung in eine überraschende Gutschrift. Nebenbei träumt er davon, aus Wind Energie zu gewinnen. Allerdings gibt es da noch die Behörden, ein zwielichtiger Bürgermeisterkandidat und chinesische Geschäftsleute, die ihre eigenen Interessen verfolgen.
Regisseur Aktan Arym Kubat, der auch die Hauptrolle spielt, gelingt der Tanz auf dem Seil, eine Geschichte mit viel Lokalkolorit universal zu erzählen. Dazu trägt sicherlich die Einfachheit der Geschichte und mancher Figurentypen bei. So simpel das Metaphernarsenal von Licht, Strom und Energie ist, so ausgefeilt wird es genutzt. Kirgisistan ist fotogen, so dass sich der Film in sonnendurchfluteten und winddurchwehten Bildern entfaltet, die auf eine grosse Leinwand zielen. Daher war der Film auf der Piazza Grande in Locarno bestens platziert, auch wenn er kein Feel-Good-Movie ist. Denn in die teils träumerische Handlung bricht im Verlauf der Zeit immer mehr postsozialistische und neokapitalistische Realität ein. Am Ende bedeutet dies für den Helden wie auch das Publikum jähes Erwachen.
Christine Stark, Filmbeauftragte Reformierte Medien
christine.stark@ref.ch
«The Light Thief» («Svet-Ake»), Kirgisistan 2010, Regie: Aktan Arym Kubat, Besetzung: Aktan Arym Kubat, Taalaikan Abazova, Askat Sulaimanov, Asan Amanov, Stanbek Toichubaev, Verleih: trigon-film, Internet: http://www.trigon-film.org
Kinostart: 20. Januar 2011
