The Last Exorcism

Das Genre des Horrorfilms hält ein ganzes Set von Exorzismus-Versatzstücken bereit. Aus diesem Fundus schöpft der Pseudo-Dokumentarfilm von Daniel Stamm, um sich einerseits über diese Klischees zu mokieren. Andererseits gibt es aber auch eine ernsthafte Auseinandersetzung mit einer wichtigen Thematik: Was treibt eigentlich einen Menschen dazu Exorzist zu werden? In diesem Fall ist es der evangelikale Prediger Cotton Marcus, der bereits in der dritten Generation Dämonen austreibt. Er lädt ein Filmteam ein, ihn zu begleiten und die Scharlatanerie in diesem Geschäft zu entlarven. In Louisiana, USA angekommen macht er sich auf einer entlegenen Farm sofort ans Werk, um den Dämon von Nell Sweetzer zu vertreiben. Das Mädchen entpuppt sich als viehschlachtende Nachtwandlerin und schon bald gerät der Prediger mit seinem Filmteam in ernsthafte Schwierigkeiten.

Ungewöhnlich an diesem Independent-Film sind die Direktheit der Kamera und die Improvisationsgabe der Schauspieler. Die Bilder sind roh und unvermittelt, der Schnitt bedient sich der Methode des dokumentarischen Porträts. So wirkt die Geschichte authentisch, auch wenn immer ein Augenzwinkern mit im Spiel ist. Es bleibt auf weite Strecken offen, ob das Mädchen Nell unter einer psychischen Störung leidet, durch den Verlust der Mutter und die Strenggläubigkeit des Vaters, oder wirklich von einem mächtigen Dämon besessen ist.

Charles Martig, Filmbeauftragter Katholischer Mediendienst
charles.martig@kath.ch

«The Last Exorcism», USA/F 2010, Regie: Daniel Stamm, Besetzung: Patrick Fabian, Ashley Bell, Louis Herthum, Iris Bahr; Verleih: Frenetic Films, Internet: http://www.frenetic.ch

Kinostart: 30. September 2010