The Broken Circle

Die Haut ist im Zeitalter der expressiven Selbstdarstellung zu einem Kunstwerk geworden. Hier zeichnet sich Glück und Unglück des Lebens ab; hier wird sichtbar, was Menschen in ihrem Innersten bewegt. So auch bei Elise, die als Tätowiererin arbeitet und auf ihrem Körper die Spuren von Liebe und Leid trägt. Sie trifft auf den Musiker Didier, der seine Seele der amerikanischen Bluegrass-Musik verschrieben hat. Aus einer Romanze wird Beziehung und Elternglück: Ihre Tochter Maybelle kommt auf die Welt. Und auch auf der Bühne gelingt das Glück der Vereinigung. Elise singt in der Band von Didier und wird damit zu einem festen Teil seines amerikanischen Traums. Doch das Glück ist  gefährdet. Die Diagnose einer Krebserkrankung bei Maybelle bringt das Paar an den Rand des Erträglichen und darüber hinaus.

Ein solches Kino der Gefühle kennen wir nur aus Hollywood, das für europäisches Empfinden manchmal allzu simpel gestrickt ist. Doch die Fallgruben der Klischees umgeht der Regisseur Felix van Groeningen mit Bravour. Authentisch wirkt diese Geschichte, weil sie sich in einem Gewebe von Vor- und Rückblenden abspielt. Die eigentliche Filmhandlung entsteht erst im Kopf und Herz des Zuschauers. Atemberaubend ist dabei die Verknüpfung von musikalischem Lebensstil und körperlicher Inszenierung. Das Ringen um die kurzen Momente des Glücks im rauen Strom des Lebens ist hier mit grosser Eindringlichkeit zu erleben.

Charles Martig, Filmbeauftragter Katholischer Mediendienst
charles.martig@kath.ch

«The Broken Circle», Belgien 2012, Regie: Felix van Groeningen, Besetzung: Veerle Baetens, Johan Heldenbergh, Nell Cattrysse; Verleih: Filmcoopi Zürich, http://www.filmcoopi.ch, Filmwebsite: http://www.thebrokencirclebreakdown.be/en

Kinostart: 23. Mai 2013

«The Broken Circle» ist unser Film des Monats Mai und als pdf abrufbar. Film-des-Monats-Archiv