Südfilme auf Tournée

Das 12. Internationale Filmfestival von Fribourg (1.-8. März) präsentierte wiederum rund siebzig Filme aus Afrika, Lateinamerika und Asien. Erstmals dabei in Fribourg war eine ökumenische Jury, die zwei Preise verlieh. Eines der ausgezeichneten Werke sowie eine weitere Auswahl von Filmen des Fribourger Programms gehen auf Tournée und werden in den nächsten Monaten in rund 20 Städten der Schweiz zu sehen sein.

Das Fribourger Festival ist, was den Publikumsaufmarsch betrifft, eine Erfolgsgeschichte. Rund 18´000 Leute haben das Festival dieses Jahr besucht; ein Drittel mehr als im Vorjahr. Das ist erstaunlich, haben doch Filme aus dem Süden normalerweise grosse Mühe, ein Publikum zu finden und sich in unseren Kinos durchzusetzen. Das Fribourer Programm bot eine reiche Palette von heiteren, vergnüglichen Geschichten, aber auch von harten, (fast allzu) realistischen Schilderungen der tristen Lebensbedingungen in den Grossstädten Asiens und Lateinamerikas. Sie luden ein, unsere Welt nicht nur aus dem einen gewohnten, sondern aus verschiedenen Blickwinkeln zu betrachten.

Preise der ökumenischen Jury für „Quien diablos es Juliette“ und „Taafé Fanga“

Erstmals trat in Fribourg eine ökumenische Jury auf. Ihre Mitglieder waren Ambros Eichenberger, Vertreter der internationalen katholischen Filmorganisation OCIC; Brunella Brazzola von der „action de Carême (Fastenopfer) und Maurice Gonce, Mitglied der Auswahlkommission des protestantischen Filmbüros. Die Jury zeichnete den Film „Quien diablos es Juliette?“ (Wer zum Teufel ist Juliette?) des Mexikaners Carlos Marcovich aus. (Der übrigens auch den Preis der Internationalen Jury erhielt). In einer originellen Form porträtiert der Film zwei junge Frauen, eine Kubanerin und eine Mexikanerin, die als Models mit exotischen Aussehen gefragt sind. Zwischen Träumen und Realität suchen sie nach ihrer Identität. Das Schicksal der beiden Frauen „stelle an uns alle Fragen über Modelle unserer Gesellschaft, ihre Zwänge, ihre Missbräuche und ihre Abgründe“, begründetet die Jury ihren Entscheid.
Anderer Art ist der afrikanische Film „Taafé Fanga“ (Die Macht des Hüfttuchs) aus Mali, den die ökumenische Jury mit einer speziellen Erwähnung bedachte. Der Regisseur Adamo Drabo erzählt darin – in der Form einer traditionellen afrikanischen Geschichte – wie in einem abgelegenen Dorf eines Tages die Macht der Männer zusammenbricht, weil die Geister sich scheinbar gegen sie stellen. Nun müssen die Männer Wasser holen, Holz suchen und die Kinder versorgen, während die Frauen sie herumkommandieren. Eine Kommödie, die mit dem Mittel der Umkehrung den Blick öffnen will für andere Möglichkeiten der Rollenverteilung, gleichzeitig aber auch zeigt, wie weit der Weg noch ist bis zu jenem Idealzustand, den der Film am Ende als „égalité dans la différence“ in Aussicht stellt.
„Taafé Fanga“ wird zusammen mit weiteren Filmen in verschiedenen Städten der Schweiz zu sehen sein; in der Deutschschweiz u.a. in Aarau, Basel, Bern, Biel, Luzern, Solothurn und Zürich. Die Veranstaltungen werden jeweils in der Tagespresse angekündigt.

Richard Meier

Le circuit 1998präsentiert folgende Auswahl von Filmen aus dem Fribourger Programm in rund 20 Städten der Schweiz:

– O sertâo das Memorias von José Araújo; Brasilien 1996
– Y Sheng Yi tai Xi (Ein kleines Opernleben) von Fong Allen; Hong Kong 1996
– Akrebin Yolculugu (Die Turmuhr) von Ömer Kavur; Türkei 1996
– 12 Storeys (Zwölf Stockwerke) von Eric Khoo; Singapour 1997
– Por si no te vuelvo a ver (Wenn ich dich nicht mehr sehe) von Juan Pablo Vilasenor; Mexiko 1996
– Taafé Fanga (Die Macht des Hüfttuchs) von Adamo Draba; Mali 1997
– Hong meigui bei meigui (Rote Rose, weisse Rose) von Stanley Kwan; Hong Kong 1995
– Les petites mondes (Kleine Welten). Ein Kinderprogramm mit Animationsfilmen aus aller Welt.