Sternstunde Kunst. James Baldwin: I Am Not Your Negro
Als der US-Schriftsteller James Baldwin im Dezember 1987 starb, hinterliess er ein 30-seitiges Manuskript mit dem Titel «Remember This House». Es sollte eine persönliche Auseinandersetzung mit den Biografien dreier enger Freunde werden, die alle ermordet wurden: Martin Luther King, Malcolm X und Medgar Evers. Die persönlichen Erinnerungen an die drei grossen Bürgerrechtler verknüpft Baldwin mit einer Reflektion der eigenen, schmerzhaften Lebenserfahrung als Afroamerikaner in den USA. Regisseur Raoul Peck schreibt in seinem Film «I Am Not Your Negro» Baldwins furioses Fragment im Geiste des Autors filmisch fort und erzählt die jüngere US-Geschichte einer bis heute unterdrückten Perspektive neu. In einer Collage von Baldwins Texten – gelesen von Samuel L. Jackson – mit Archivfotos und Filmausschnitten, die noch von Rassentrennung und einer beinah vollkommenen Unsichtbarkeit der Schwarzen in Hollywoods geprägt sind, erzählt er von der Formierung der schwarzen Bürgerrechtsbewegungen und Baldwins kompliziertem Verhältnis zum Black-Power-Movement
