Stationspiraten

Sie wären vier fröhliche Jungs mit ganz normalen Pubertätsproblemen, würden sie sich nicht zwei Kinderzimmer auf einer Krebsstation teilen. Ihre Glatzen zeugen schon von weitem von den Chemotherapien, die sie über sich ergehen lassen müssen. Benji, Michu, Kevin und Jonas kämpfen je auf ihre Weise mit der schweren Krankheit. Als der Jüngste von ihnen zur Knochenmarktransplantation in ein anderes Spital verlegt wird, stösst neu Sascha dazu. Der einzige mit noch vollem Haar wähnt sich im falschen Film. Doch bald wird er vom Aussenseiter zum Freund.

Der Schweizer Jugendfilm packt mit Krebs bei Kindern und Jugendlichen ein schweres Thema an. Erzählt wird dies in leichtem Ton, ohne seicht zu sein. Die pointierten Dialoge werden ergänzt durch optimale Kamerafahrten und einen hervorragenden Schnitt. Die jugendlichen Darsteller, die hier zum ersten Mal in einem Film spielen, sind allesamt sehr talentiert. Ja, sie stehlen etablierten Schauspielern wie Stefan Kurt oder Bettina Stucky geradezu die Schau. Zuweilen freilich kommt die eine oder andere Textzeile etwas holprig daher, auch werden einige Klischees bedient. Manches wirkt daher provinzieller als im spanischen Film „Planta 4a“ („Station 4“), auf dem „Stationspiraten“ basiert. Insgesamt jedoch nimmt der Film sein Publikum voll hinein und konfrontiert mit diesen jungen Leben, die so sehr vom Tod umfangen sind. Berührend.

Christine Stark, Filmbeauftragte Reformierte Medien
christine.stark@ref.ch

«Stationspiraten», Schweiz 2010, Regie: Michael Schaerer, Besetzung: Vincent Furrer, Max Hubacher, Scherwin Amini, Bettina Stucky; Verleih: Walt Disney Studios Motion Pictures, Switzerland, Filmwebsite: http://www.stationspiraten.ch

Kinostart: 4. November 2010