Sommervögel
Der Titel klingt nach leichter Unterhaltung. Und noch dazu sind Filmplakat und Homepage rosarot eingefärbt, der Lieblingsfarbe der weiblichen Hauptfigur. Doch es ist gerade diese Hauptfigur, Greta, die den Film zu einem echten Erlebnis macht, einem unterhaltendem, aber sicherlich nicht allzu leichten. Greta, überwältigend dargestellt von Sabine Timoteo, ist eine junge, geistig behinderte Frau. Sie lebt bei ihren Helikopter-Eltern und jobbt auf einem Campingplatz. Dort lernt sie Res kennen, einen Biker und Ex-Knacki. Beide stellen fest, dass sie sich ganz gut mögen.
Paul Riniker ist durch seine zahlreichen Dokumentationen und Fernsehbeiträge bekannt. Mit 63 Jahren hat er nun seinen ersten Spielfilm gedreht. Allen Szenen wohnt eine verschmitzte Freude am Spiel inne. Gleichzeitig ist der durchaus heikle Stoff einer Liebesgeschichte mit einer Behinderten nicht oberflächlich inszeniert. Hier wird der Dokumentarprofi spürbar, der schon viele Menschen porträtiert hat, die nicht in das ´Normalo´-Schema passen. Bis in die Nebenrollen hinein ist der Film namhaft besetzt, die Dialoge sind pointiert. Es ist wohl genau diese Mischung von profunden Kenntnissen und verspielter Fantasie, die zum Gelingen des Films als ernster Unterhaltung beiträgt. Wenn auch das Fernsehformat spürbar wird und recht viel Rosarot verpinselt wird, ist „Sommervögel“ ein angenehmer Gegenpol zu schweren Problemfilmen.
Christine Stark, Filmbeauftragte Reformierte Medien
«Sommervögel», Schweiz 2010, Regie: Paul Riniker, Besetzung: Sabine Timoteo, Roeland Wiesnekker, Anna Thalbach; Verleih: Frenetic Films, http://www.frenetic.ch, Filmwebsite: https://www.swissfilms.ch/de/movie/Sommervogel/7E331DC80040412595ECF20B2DDD0E87
Kinostart: 28. Oktober 2010 – gratis zum Streamen auf Play Suisse
