Sommer vorm Balkon

Berlin im Sommer, zwei Frauen in einem Mietshaus: Katrin lebt mit ihrem Sohn im Erdgeschoss, Nike wohnt darüber und hat einen Balkon. Wenn sie dort abendlich gemeinsam Wodka trinken, sieht das Leben leichter aus, als es ist. Die eine ist arbeitslos, die andere pflegt alte Menschen – und beide warten auf den «Richtigen». Als der Truckfahrer Ronald auftaucht, glaubt Nike, ihn gefunden zu haben. Für ihre Freundin Katrin hat sie aber weniger Zeit.

Auch wenn es so klingen könnte: Es ist keine weitere Beziehungskomödie aus dem Mittelstand, wo alle immer gut gekleidet und ebenso gelaunt sind. Der Film erzählt – bei aller Komik, die immer wieder aufblitzt – von den Sorgen und Wünschen so genannter «einfacher Leute». Ihre finanziellen Mittel sind begrenzt, und ihr ganzes Leben spielt sich in der kleinen Welt der Strasse, der Eckkneipe und der Wohnungen ab, auch in denen der pflegebedürftigen Menschen, die Nike betreut. Wie kein anderer filmt der Regisseur Andreas Dresen am Puls der bundesdeutschen Gesellschaft. Nach «Willenbrock» schlägt er in seinem neuen Film einen leichteren Ton an, doch verliert er nie die ihm eigene Ernsthaftigkeit. Gekonnt lässt er Anteil haben an den Schicksalen seiner Figuren, die sich mit Berliner Schnauze durchs Leben schlagen.

Christine Stark, Filmbeauftragte Reformierte Medien
christine.stark@ref.ch

«Sommer vorm Balkon», Deutschland 2005, Regie: Andreas Dresen, Darsteller: Inka Friedrich, Nadja Uhl, Andreas Schmidt; Verleih: Filmcooperative Zürich, Internet: http://www.filmcoopi.ch, Filmwebsite: http://www.sommervormbalkon.de

Kinostart: 2. Februar 2005