Slumming
Auf dem Spielfeld eher enttäuschend, überraschen die Österreicher in Literatur und Kino immer wieder mit ihrem Sinn für morbide Realitäten. So auch in „Slumming“. Den Kern seines Films habe ihm einmal ein Betrunkener an einer Bar erzählt, gibt Regisseur Glawogger an. Vom Dokumentarfilm herkommend schaut er gnadenlos auf die gesellschaftliche Verrohung, die kein Schichtenproblem ist, und wenn dann eines der Oberschicht.
Im Film heisst der Randständige Kallmann, ein Quartalssäufer und Dichter, der unfreiwillig Opfer zweier reicher Schnösel wird. Alex und Sebastian haben nichts anderes zu tun, als sich durchs Internet zu flirten und in Bars herumzuhängen. Ab und zu geht es in abgehalfterte Bierknellen, um sich am dortigen Unterschichtenpublikum zu belustigen – das nennen sie dann „Slumming“. Als sie Kallmann im Rauschschlaf auf einer Bank finden, transportieren sie ihn ins benachbarte Tschechien und legen ihn dort einfach ab. Ein Scherz? Sebastian hat sich dummerweise verliebt, und Pia findet die Verschleppung Kallmanns alles andere als lustig. So beginnt die Suche nach dem, der sich schimpfend auf eine bizarre Wanderung durchs tschechische Irgendwo gemacht hat. Und anderenorts ist leise eine Läuterung des zynischen Sebastian zu erahnen. Düster und winterlich setzt der Film einen starken Kontrapunkt zum Euro-Taumel und zeigt ein weiteres Mal, was Österreich im Kino zu bieten hat.
Christine Stark, Filmbeauftragte Reformierte Medien
christine.stark@ref.ch
„Slumming“, Österreich/Schweiz, Regie: Michael Glawogger, Besetzung: August Diehl, Paulus Manker, Michael Ostrowski, Pia Hierzegger, Maria Bill; Verleih: Cineworx, Internet: http://www.cineworx.ch, Filmwebsite: http://www.slumming-derfilm.de
Kinostart: 5. Juni 2008
