Sitting next to Zoe

Kein Vorspann auf schwarzer Leinwand mit endlosen Überschriften, sondern ein wuchtiger, frontaler Beginn. Unmittelbar wird der Filmtitel «Sitting next to Zoe» umgesetzt. Zoe ist im wahrsten Sinn des Wortes hautnah vor einem – laut, impulsiv, direkt, ohne Lehrstelle aber mit dem Traum, Make-up-Artistin zu werden. Der zumeist mit der Handkamera gedrehte Film handelt auch von Asal – scheu, unsicher, beobachtend, kurz vor dem Eintritt ins Gymnasium. Die dicke Freundschaft, welche die beiden unterschiedlichen Mädchen verbindet, wird auf die Probe gestellt, als der 18-jährige Schwede Kai im Ort auftaucht.

In ihrem Langfilm-Debüt inszeniert Regisseurin Ivana Lalović gekonnt eine Coming-of-Age-Geschichte mit Fokus auf der Suche nach der eigenen Identität und dem Kampf für die persönlichen Träume. Immer wieder und auch noch mit den letzten Einstellungen wird das Erwachsenwerden als herausfordernder Balanceakt gezeigt. Wenn der Film hinter die Fassade der stets üppig geschminkten Zoe blickt und in ihre innere Welt hineinleuchtet, entsteht ein ganz ungeschminktes Porträt unweit der alttestamentlichen Weisheit: Ein Mensch sieht, was vor Augen ist; der Herr aber sieht das Herz an.

Dieser Film spricht nicht nur Teenagermädchen an. Mit seiner mitreissenden Bild- und Musiksprache kann er auch ältere Generationen dazu anregen, sich Gedanken zu machen, wofür sich das Leben lohnt.

Thomas Schüpbach, Pfarrer ref. Kirchgemeinde Zürich-Sihlfeld*
pfarramt@sihlfeld.ch

«Sitting next to Zoe», Schweiz 2013, Regie: Ivana Lalović, Besetzung: Runa Greiner, Lea Bloch, Charlie Gustafsson, Verleih: Vinca Film, http://www.vincafilm.ch, Filmwebsite: http://www.sittingnexttozoe.com

Kinostart: 21. August 2014

«Sitting Next to Zoe» ist unser Film des Monats August und als pdf abrufbar. Film-des-Monats-Archiv


*Thomas Schüpbach ist Mitglied im reformierten Arbeitskreis Kirche und Film. In loser Folge schreiben Pfarrpersonen und kirchliche Mitarbeitende aus dem Arbeitskreis Filmtipps.